Schön-Margret und Lord William

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Theodor Fontane: Schön-Margret und Lord William (1853)

1
»leb wohl, meine süße Margret!
2
Ich hab' eine stolze Braut,
3
Morgen mit dem frühsten
4
Werd' ich ihr angetraut.

5
Leb wohl, meine süße Margret!
6
Ich freie die stolze Maid,
7
Am Kleide trag' ich Hochzeit,
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Im Herzen trag' ich Leid.«

9
Es kam der Hochzeitsmorgen,
10
Zur Kirche schritt das Paar,
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Schön-Margret saß am Fenster
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Und strählte ihr blondes Haar.

13
Sie sah die Braut in Seide,
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In Sammet den Bräutigam,
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Sie legte schweigend nieder
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Den elfenbeinernen Kamm.

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Sie schritt zum Strom hinunter
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Und brach ein Blümlein da,
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Das Blümlein war sie selber –
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Ein Fischer sie treiben sah. –

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Nun blinken die stillen Sterne
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Über dem Hochzeitshaus,
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Musik ist längst verklungen,
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Die Lichter loschen aus.

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Lord William hält in Armen
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Die stolze, die braune Maid –
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Da horch, was rauscht vorüber
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In weißem, wallendem Kleid?

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Was stellt sich ihm zu Füßen
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Und lächelt in Tränen noch?
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Was flüstert ihm zu: »Lieb' William,
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Leb wohl, ich liebe dich doch!« –

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Auf blitzt die Morgensonne,
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Die Vöglein singen vom Baum,
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Lord William spricht: »Lieb' Lady,
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Ich hatt' einen bösen Traum.

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Ich sah zwei rote Rosen,
38
Und die eine liebt' ich heiß,
39
Und als ich brach die andre,
40
Da wurde die eine – weiß.«

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Lord William steigt zu Rosse,
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Seine Diener reiten mit,
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Er weiß nicht, soll er jagen
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Oder soll er reiten im Schritt.

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Er kommt an Margrets Fenster,
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Keine Margret dran zu sehn,
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Er tritt in Haus und Halle –
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Da wußt' er, was geschehn.

49
Sieben Brüder stehen schweigend
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Um ihrer Schwester Bahr',
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Noch blinken Wassertropfen
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In ihrem goldnen Haar.

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»ich liebte dich im Leben,
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Ich liebe dich im Tod –
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Deine Lippen, könnt' ich sie küssen,
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Bis daß sie wieder rot!«

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Da murrten die sieben Brüder,
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Und der älteste sprach laut:
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»lord William, willst du küssen,
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So küß deine stolze Braut.«

61
»wenn meine Braut ich küsse,
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Küß' ich nach Recht sie nur –
63
Ich brach eurer Schwester Herze,
64
Doch brach ich keinen Schwur.

65
Zu Tisch nun, liebe Mannen!
66
Die Tafel blinkt von Wein,
67
Morgen mit dem frühsten
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Soll neugedeckt sie sein.«

69
Wohl war sie neugedecket,
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Noch eh' der Morgen kam:
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Schön-Margret starb aus Liebe,
72
Lord William starb aus Gram.

73
Er ward im Chor bestattet,
74
Und siehe, Schön-Margret auch;
75
Sein Grab trug einen Weißdorn,
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Ihrs einen Rosenstrauch.

77
Sie wuchsen bis zum Dache
78
Und reichten sich da die Hand,
79
Kein Auge sah die beiden,
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Das nicht in Tränen stand.

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Der Küster hieb sie nieder
82
Und warf sie in die Flamm,
83
Sie aber wuchsen wieder-
84
Treue Liebe kommt zusamm.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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