Königgrätz

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Theodor Fontane: Königgrätz (1858)

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Sie höhnten uns, sie glaubten es zu dürfen;
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Was Langmut war, sie nahmen's hin als Schwäche,
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Sie warfen uns, zerdeutelt und zerrissen,
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Versprechen und Verträge vor die Füße,
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Und als in Ruh wir dann das Wort gesprochen:
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»laßt uns, was
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Da drohten sie: »Versucht's, wir sind am Platz;
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Es kost't euch Schlesien und die Grafschaft Glatz.«

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Das war zu viel. Es klang zurück die Antwort:
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»
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Und nieder von den Bergen Schlesiens, Sachsens,
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Auf Wegen, die der Ruhm uns vorgezeichnet,
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An Stätten hin, die Siegesnamen tragen,
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In Böhmens Kessel stieg das Preußenheer.

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Ein heißer Kessel! Manches Kriegeswetter
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In Tag und Jahren, die nun rückwärts liegen,
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Hat drin die Junihitze schon gebraut,
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Doch solche Wetter, wie sie jetzt sich türmen
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Und Tag um Tag sich grollender entladen,
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Sind selbst in diesem Böhmerkessel neu.
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Bei
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Zerbricht wie Glas die Eiserne Brigade;
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Bei
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Hält Löwe Steinmetz seine Beute fest;
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Und hügelan – Clam-Gallas mußte fliehn –
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Stürmt Friedrich Karl die Straße von

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So stand das Spiel; ein siebenfaches Siegen
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In sieben Tagen. »Wird der Sieg uns bleiben?«
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So zwischen Furcht und Hoffnung ging die Frage;
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Noch fehlte die Entscheidung, doch sie kam.

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Da, wo die Elbe, die sich nordwärts windet,
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Auf kurze Strecke wieder südwärts fließt,
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Auf weitem Feld, umstellt von Hügelkuppen,
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Bei Festung
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An stürmen unter Trommelklang und Pfeifen
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Von Altmark, Magdeburg die Regimenter,
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Thüring'sche Bataillone, dicht geschlossen,
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Sie folgen unter Hurra – all vergeblich;
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Sie dringen vor, sie jubeln und sie fall'n.
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Der Regen fällt in Strömen, schon ist Mittag,
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»wo bleiben sie?« Es fragen's nicht die Lippen,
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Es fragt's nur still das Herz. Da horch, von Westen
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Und nun von Osten her in raschen Schlägen,
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Roll'n unsre Preußendonner durch die Luft.
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»das sind sie!« geht ein Jubel durch die Reihen,
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»das ist das achte Korps! das sind die Garden!«
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Und rechts und links des Feindes Flanke fassend,
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So reichen jetzt zwei neue Preußenheere
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Dem dritten übers Schlachtfeld hin die Hand.

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Im Feuer hält der siebzigjähr'ge König,
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Er sieht die Schale sich für Preußen neigen,
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Und sieh, zum letzten Stoße, der entscheidet,
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Erklingt sein Aufruf jetzt: »Nun, Manstein, vor!«
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Ein Hurra ist die tausendstimm'ge Antwort,
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Mit weh'nden Fahnen und mit kling'ndem Spiele
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An rücken all die Düppel-Bataillone,
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Es fällt kein Schuß, die Glieder halten Richtung,
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Und ihrem Stoß erliegt der Feind. Er flieht.
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Bunt wird das Feld von aufgelösten Massen,
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Geschütze, Wagenzüge und Kolonnen,
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Ein wirrer Knäuel, alles häuft sich, drängt sich;
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»jetzt ist es Zeit!« und in die flieh'nden Massen
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Einhau'n die Unsern. Welch ein Spiel von Farben!
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Hier schwarz und weiß die Fähnlein der Ulanen,
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Hier silberfarbne Adler auf den Helmen,
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Hier rot und weiß die Zietenschen Husaren –
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Ein glänzend Schauspiel, glänzender der Sieg.

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Ja, Sieg! Er hat die Herzen uns erhoben,
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Er gab uns viel, – er hat auch viel genommen;
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Ein Tag des Ruhmes, aber schwer erkauft.
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'nen Schleier über Not und Tod und Wunden;
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Es ziemt uns nicht, das Elend hier zu malen,
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Es ziemt uns nur, zu trösten und zu lindern.
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In Tod zu gehn war unsrer Brüder Pflicht –
75
Die unsre heißt: »

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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