Prinz Louis Ferdinand

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Theodor Fontane: Prinz Louis Ferdinand (1857)

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Sechs Fuß hoch aufgeschossen,
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Ein Kriegsgott anzuschaun,
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Der Liebling der Genossen,
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Der Abgott schöner Fraun,
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Blauäugig, blond, verwegen
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Und in der jungen Hand
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Den alten Preußendegen –
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Prinz Louis Ferdinand.

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Die Generalitäten
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Kopfschütteln früh und spät,
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Sie räuspern sich und treten
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Vor Seine Majestät,
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Sie sprechen: »Nicht zu dulden
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Ist dieser Lebenslauf,
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Die Mädchen und die Schulden
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Zehren den Prinzen auf.«

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Der König drauf mit Lachen:
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»dank' schön, ich wußt' es schon;
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Es gilt ihn kirr zu machen,
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Drum: Festungsgarnison;
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Er muß in die Provinzen
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Und nicht länger hier verziehn,
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Nach Magdeburg mit dem Prinzen –
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Und

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Der Prinz vernimmt die Märe,
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Saß eben bei seinem Schatz:
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»nach Magdeburg, auf Ehre,
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Das ist ein schlimmer Platz!«
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Er meldet sich am Orte,
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Und es spricht der General:
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»täglich elf Uhr zum Rapporte
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Ein für allemal!«

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O Prinz, das will nicht munden,
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Doch denkt er: ›Sei gescheit,
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Volle vierundzwanzig Stunden
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Sind eine hübsche Zeit.
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Relais, viermal verschnaufen,
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Auf dem Sattel Nachtquartier,
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Und kann's
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So laufen's ihrer vier.‹

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Hin fliegt er wie die Schwalben,
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Fünf Meilen ist Station,
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Vom Braunen auf den Falben,
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Das ist die Havel schon,
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Vom Rappen auf den Schimmel,
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Nun faßt die Sehnsucht ihn,
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Drei Meilen noch – hilf Himmel,
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Prinz Louis in Berlin.

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Gegeben und genommen
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Wird einer Stunde Glück,
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Dann, flugs wie er gekommen,
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Im Fluge geht's zurück,
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Elf Uhr am andern Tage
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Hält er am alten Ort,
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Und mit dem Glockenschlage
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Da steht er zum Rapport. –

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Das war nur bloßes Reiten,
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Doch wer so reiten kann,
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Der ist in rechten Zeiten
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Auch wohl der rechte Mann;
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Schon über Tal und Hügel
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Stürmt ostwärts der Koloß –
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Prinz Louis sitzt am Flügel
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Im Rudolstädter Schloß.

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Es blitzt der Saal von Kerzen,
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Zwölf Lichter um ihn stehn,
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Nacht ist's in seinem Herzen,
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Und Nacht nur kann er sehn,
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Die Töne schwellen, rauschen,
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Es klingt wie Lieb' und Haß,
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Die Damen stehn und lauschen,
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Und was er spielt, ist

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›zu spät zu Kampf und Beten,
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Der Feinde Rosses-Huf
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Wird über Nacht zertreten,
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Was ein Jahrhundert schuf,
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Ich seh' es fallen, enden,
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Und wie alles zusammenbricht –
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Ich kann den Tag nicht wenden,
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Aber

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Und als das Wort verklungen,
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Rollt Donner schon der Schlacht,
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Er hat sich aufgeschwungen,
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Und sein Herze noch einmal lacht,
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Vorauf den andern allen
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Er stolz zusammenbrach,
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Prinz Louis war gefallen,
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Und Preußen fiel – ihm nach.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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