Der Quitzowen Fall und Untergang

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Theodor Fontane: Der Quitzowen Fall und Untergang (1887)

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Und Christ im Himmel erbarmte sich:
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Da gab er zum Trost uns männiglich
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Unseren Markgraf
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Einen Fürsten lobesamen.

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Das ist ein Fürst von eigner Art,
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In ihm sind Kraft und Mut gepaart;
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Ob Laien oder wohlgelahrt,

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Zu loben ihn uns wohl ansteht,
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Gott selber in seiner Majestät
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Hat ihn uns erwecket.

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Seit Kaiser Karl zu Prag uns starb,
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Das Land verkam, das Land verdarb,
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Bis
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Das hat die Räuber erschrecket.

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Und die ihm wollten widerstehn,
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Wie der Kuckuck waren sie anzusehn,
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Er zerstäubte sie geschwinde.

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Die
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»wir machen ihm das Land zu Leid«,
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Und dazu waren sie wohl bereit
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Mit ihrem Ingesinde.

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»was soll uns der Nürrenberger Tand?
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Ist Spielzeug nur in unsrer Hand,
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Und wollen es beweisen.

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Und regnet's Fürsten noch ein Jahr,
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Das macht nicht Furcht uns und Gefahr,
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Er soll uns krümmen nicht ein Haar,
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Nach Hause soll er reisen.

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Und kommt zu Fuß er oder Pferd,
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Mit Büchse, Tartschen oder Schwert,
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Uns dünkt es keinen Heller wert,
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Er muß dem Land entsagen.

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Und will er nicht, es tut nicht gut;
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Wir stehen mutig seinem Mut,
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Zehn Schlösser sind in unsrer Hut,
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Er soll uns nicht verjagen.«

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Als das die Fürstenschaft vernahm,
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In Hasten alles zusammenkam;
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Einem jeden wär' es Schimpf und Scham,
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Wär' er da

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Der Bischof von Magdeburg war zur Hand,
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Günter von Schwarzburg war er genannt,
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Nach
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Und die »Grete« mitgenommen.

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Dann zog heran ein Sachsenhauf',
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Herzog Rudolf allen vorauf.
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Nach
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Und stellte sich vor die Feste.

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Da ließ er schwenken seine Fahn':
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»ich denke, rasch ist gut getan,
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Laßt uns an ein Stürmen gahn,
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Und jeder tue das beste.«

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Burggraf Friedrich aber vor
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Der Graben war tief, die Mauer war hoch,
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Aber die Franken stürmten sie doch,
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Alle wollten sie Ritter werden.

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Ein Hagel von Pfeilen sie flugs empfing,
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Da schützte nicht Schiene, nicht Panzerring,
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Mancher Pfeil bis in das Herze ging,
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Und viele sanken zu Erden.

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Ja, Pfeile flogen und Kugel und Stein,
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Da riefen die Franken: »Tritt für uns ein,
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Auf daß der Hochmut erliege.«

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Die heilige Jungfrau, sie war es gewillt,
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Sie lieh den Stürmenden ihren Schild,
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Ein jeder sah ihr Himmelsbild,
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Und so schritten sie zum Siege.

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Das Wetter war kraus und ungestalt,
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Es regnete, schneite und war kalt,
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Die Schlösser kamen in unsre Gewalt,
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Weil Gott im Himmel es wollte.

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Friesack, Plaue, Rathenow,
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Und Golzow und Beuthen ebenso,
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Sie huldigen Friedrich, und alle sind froh,
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Daß Recht Recht bleiben sollte.

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Die Fürsten lenkten heimwärts ein,
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Desgleichen die Städte, groß und klein;
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Viele waren geschossen durch Hüft' und Bein
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Und hinkten nach Haus an Krücken.

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Ach, reicher Gott, den Fürsten gut,
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Nimm ihn gnädig in deine Hut
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Und woll' ihn durch dein heilig Blut
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Erquicken und beglücken.

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Auch seiner edlen Fraue zart
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Sei'n deine Gnaden aufgespart,
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Dann sind allbeide wohlbewahrt
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In deinem Himmel droben.

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In deinem Himmel, nach dem wir schaun,
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Auf den wir all in Hoffnung baun,
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Um willen Unsrer lieben Fraun,
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Die wir rühmen und preisen und loben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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