Die Schlacht am Cremmer-Damm

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Theodor Fontane: Die Schlacht am Cremmer-Damm (1887)

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Und als Herzog Barnim, der vielkleine Mann,
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Um mit Markgraf Ludwig zu fechten,
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War bis an den Cremmer-Damm heran,
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Sprach er zu Rittern und Knechten:

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»das Cremmer Luch ist ein garstig Loch,
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Und den Feind daraus zu vertreiben,
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Ich denke, Leute, wir lassen's noch
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Und wollen diesseits bleiben.

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Wir schreiben aus eine große Steu'r,
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Und wer sich nicht will bequemen,
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Den zwingen wir mit Wasser und Feu'r
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Und wollen das Vieh ihm nehmen.«

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Der Rat gefiel den Pommern all,
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Und verquer an den beiden Ecken
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Gruben sie hastig Graben und Wall,
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Dahinter sich zu verstecken.

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Markgraf Ludwig aber, der tapfere Held,
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Drüben sah man ihn reiten,
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Er dachte: ›Die Pommern stehen im Feld
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Und werden den Damm überschreiten.‹

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Als aber keiner sich's unterwand,
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Ließ er seinen Trompeter kommen
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Und sagte: »Nimm deine Trompet in die Hand
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Und blas, bis sie's drüben vernommen.

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Und sage dem Herzog Barnim an,
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Ich hätte groß Verlangen,
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Ihn und seine Ritter, Mann für Mann,
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Hier diesseits zu empfangen.

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Und wenn es hier diesseits ihm nicht behagt,
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So wollt' ich ihm versprechen,
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Auch auf dem Luch-Damm unverzagt
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Eine Lanze mit ihm zu brechen.«

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Drauf
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Sie wollten sich treffen und wollten sehn,
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Wer das Spiel am besten verstünde.

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Da ging es vom Graben den Damm hinauf,
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Drauf standen dicht die Märker,
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Die wehrten sich einzeln und zu Hauf,
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Aber Herzog Barnim war stärker.

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Die Märkischen konnten nicht bestahn,
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Das Luch war ihr Verderben,
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Und viele mußten da liegen gahn
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Und ohne Wunde sterben.

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Und mählich wichen sie Schritt für Schritt,
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Vor Cremmen weiter zu fechten,
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Die Pommern folgten in festem Tritt,
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Die Ritter mitsamt den Knechten.

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Aber vor Cremmen hielt man an
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Und mußte draußen bleiben,
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Die Märkischen standen da Mann an Mann
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Und waren nicht zu vertreiben.

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Sie schossen hinunter aus Turm und Tor
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In das pommersche Gedränge,
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Dann drängten sie selber wieder vor,
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Tote gab es die Menge.

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Da sprach Schwerin: »Das tut kein gut,
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Laßt uns den Damm erfassen,
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Oder wir müssen unser Blut
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Hier alle vor Cremmen lassen.«

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So zogen sie wieder dem Damme zu,
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Heimwärts ohn' Schimpf und Schade,
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Zuletzt ging auch der Krieg zu Ruh' –
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Gott geb' uns seine Gnade.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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