Die Hamiltons

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Theodor Fontane: Die Hamiltons (1851)

1
Lord William kam zu sterben,
2
Lord William Hamilton;
3
Er spricht zu seinem Sohne:
4
»nun höre mich an, Sir John!

5
Ich lasse dir Land und Leute,
6
Unsren Namen und unsren Ruhm,
7
Und ich lasse dir, mehr als alles,
8
Dieser Locke Heiligtum.

9
Ich sah die Locke fallen,
10
Ich hörte der Schere Schnitt –
11
Und als Maria gebetet,
12
Da betete leis ich mit.

13
Da hab' ich still geschworen:
14
Zu tragen in Leid und Lust,
15
Zu tragen in Jubel und Tränen
16
Diese Locke auf der Brust.

17
Ich hab' sie in Tränen getragen
18
Und lass' erst im Tode davon –
19
Für die Stuarts zu leben und sterben,
20
Das schwör' auch du, Sir John.«

21
Lord William hat es gesprochen,
22
Sir John hat's treu gemeint:
23
Erst barg er still die Locke,
24
Dann hat er still geweint.

25
Er trug sie zwanzig Jahre,
26
Und als sein Stündlein kam,
27
Er mit des Vaters Worten
28
Die Locke vom Herzen nahm.

29
Er gab sie seinem Sohne,
30
Und der Sohn dem Enkel dann,
31
Ihr Erbteil war die Treue
32
Und der Locke Talisman.

33
Und als auf blinkendem Zelter
34
König James gen London zog,
35
Und als auf schwarzem Schafotte
36
Karls Haupt vom Rumpfe flog,

37
Und als an der Boyne wieder
38
»stuart« das Feldgeschrei, –
39
In Lust und Leid, die Locke
40
Und die Hamiltons waren dabei.

41
Und waren dabei zuletzt auch,
42
Als auf Cullodens Plan
43
Ihre Augen das Distelbanner
44
Noch einmal flattern sahn.

45
's war wieder ein Lord William
46
Und wieder ein Sir John,
47
Ein Alter und ein Junger,
48
Doch jeder ein Hamilton.

49
Der Junge focht zu Fuße,
50
Der Alte focht zu Roß,
51
Bis eine englische Kugel
52
Ihn aus dem Sattel schoß.

53
Hin reicht' er seinem Sohne
54
Die Locke, rot von Blut,
55
Er hatte nicht Zeit zu sprechen,
56
Er sprach nur: »Wahre sie gut!«

57
Er wahrte sie gut, der Junge,
58
Manchen Mond und manches Jahr,
59
Der Junge ward ein Alter –
60
Das Herz blieb, wie es war.

61
Und als in letzten Tagen
62
Ihm Kunde kam ins Haus:
63
»sie trugen im fernen Süden
64
Den

65
Da sprach er, als er sterbend
66
Seinem Sohne die Locke gab:
67
»die Stuarts sind gestorben,
68
Doch die Treue kennt kein Grab.«

69
Und siehe, die Hamiltons wahren
70
Bis heut ihren alten Ruhm,
71
Doch eines mehr als alles:
72
Der Locke Heiligtum.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.