Sir Walter Raleighs letzte Nacht

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Theodor Fontane: Sir Walter Raleighs letzte Nacht (1851)

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Sir Walter Raleigh sitzt und sinnt im Tower,
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Vergittert ist sein Fenster, Erz die Tür,
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Als sie sich schloß, schloß sich für ihn das Leben,
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Wenn sie sich öffnet, öffnet sie der Tod.
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Ihm lacht kein Gnadenstrahl; Tyrannenhaß
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Hat ihm auf Hochverrat das Wort gedeutet:
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»der Menschen Recht war vor dem Recht der Stuarts,
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Und Kön'ge sind

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Die Nacht ist da. Mitleidig durch die Scheiben
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Blickt nur der Mond, und nur der Stunde Schlag
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(trotz bietend dem Verbot des Kerkermeisters)
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Ruft dem Gefangnen zu: noch lebt die Zeit!
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Sir Walter aber, auf die weiße Hand
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– Blauadrig längst von Sorg' und Last der Jahre –
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Stützt er sein Haupt, und hastig weiter spürend
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Auf oft betretner Fährte des Gedankens,
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Vergißt er, traumverloren, Zeit und Welt;
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Er steigt ins eigne Herz hinab und schreibt:

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Willkommen mir, zu scheiden
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Von Leben und von Welt,
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Mag keinen Gast beneiden,
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Den's hier zurücke hält:
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Arm sind des Lebens Feste,
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Rings abgestandner Wein –
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Das Höchste und das Beste
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Wie niedrig und wie klein!

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Des Hofes Glanz und Schimmer
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Blinkt nur wie faules Holz,
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Die Kirche lebt vom Flimmer
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Und wird vor Demut stolz;
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Des Reichen Opferbringen,
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Des Mut'gen Märtyrtum,
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Der Quell, daraus sie springen,
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Heißt Sucht nach Ehr' und Ruhm.

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Des Klugen Witz verschwendet
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Der Worte viel – um nichts;
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Die Weisheit wird geblendet
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Vom Glanz des eignen Lichts;
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Selbst du, des Weltgewimmels
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Gepriesenste, o Kunst,
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Es zeugt dich statt des Himmels
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Die Mode und die Gunst.

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Der
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Die
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Nur, weil es heißt: »Du mußt!«
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Die
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In Schein und Lug und Trug,
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Das
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Ich hab' des Spiels genug.

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Willkommen mir, zu scheiden
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Von Leben und von Welt,
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Mag keinen Gast beneiden,
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Den's hier zurücke hält:
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Wem's Leben viel gegeben,
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Dem gab es Müh und Not,
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Der Tod nur ist das Leben,
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Und alles Leben – Tod.

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Sir Walter schrieb's; ein seltsam Testament,
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Mehr eine Beichte als ein letzter Wille.
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Da – während noch der gleichgesinnte Spruch
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›die Welt ist eitel‹ durch das Herz ihm klingt –
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Erfaßt ihn jener Spottgeist, der es liebt,
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In Widerspruch uns mit uns selbst zu bringen,
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Der neben unsre Demut, unsren Glauben
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Als immer fert'ges Fragezeichen tritt
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Und, wo voll Mitgefühls wir weinen wollen,
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Uns höhnisch zuruft: »Tor, so lache doch!«
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Hinzwingend auf den Demantring am Finger,
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Durchstreicht er ihm die Weisheit dieser Stunde
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Und gibt des Lebens Torheit ihm zurück.
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Sein Aug' wird hell, Sir Walter sieht nur eins:
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Den Sonnentag, der diesen Ring ihm brachte.

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Zu Windsor war's, inmitten Waldeslust,
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Durchs Eichenlaub floß goldne Mittagssonne,
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Und wo die Jagd all ihre Schätze häufte,
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Wo hundertfach der Hirsch im Blute lag,
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Im Aug' des Rehs die Todesträne blinkte
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Und wo der wilde Eber, nun so zahm,
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Der Furchen keine mehr im Erdreich riß,
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Da wuchs – als hätt' samt seinen Jagdgesell'n
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Sich Robin Hood ins Riedgras hin gelagert –
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Auf grünem Plan ein Festmahl aus der Erde:
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Mit duft'gem Moose war der Tisch gedeckt,
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Am Jagdspieß briet das Rundstück und der Ziemer,
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Vom nahen Hügel sprudelte der Quell,
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Daneben aber, selber schier ein Hügel,
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Lag für die durstigsten der durst'gen Kehlen
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Ein Stückfaß goldnen Weines, Vögel sangen,
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Nichts fehlte, nur der königliche Gast.
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Da scholl ein Horn, und sieh, in raschem Jagen,
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Gestrüpp und dichtes Farnkraut leicht durchbrechend,
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Erschien auf hohem Roß die hohe Frau,
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Und jetzt, voll Kraft sich aus dem Sattel schwingend,
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Berührte schon ihr Schleppenkleid den Boden,
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Da stutzte sie – des Waldgrunds Feuchte lag,
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Ein schwarzer Spiegel, schillernd ihr zu Füßen.
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Sie stutzte; wohl! doch Augenblicke nur:
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Denn pfeilgeschwind, herab zum Teppichdienste,
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Flog Ritter Raleighs goldgestickter Mantel,
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Und lächelnd nieder trat Elisabeth.

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Das war ein Tag! Noch die Erinnrung dran
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Gießt Lebenslust durch des Gefangnen Adern.
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Er
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Rückspiegeln ihm die Großtat manchen Tags,
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Und seines Klägers Unrecht gegenüber
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Anklammernd sich an seines
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Springt er jetzt auf und ruft: »Versuch es, Stuart!
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Schwer wiegt dein Haß, doch schwerer mein Verdienst.
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Irland stand auf – mein Degen warf es nieder;
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Cadix bot Trotz – ich brach den Trotz im Sturm,
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Und als des finstren Philipps Riesenflotte,
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Wie Goliath prahlend, vor Alt-England trat,
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Da barg
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Gott gab die Kraft, ich aber schwang den Stein.«

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Sir Walter spricht's; die Enge seines Kerkers
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Mit raschem Schritt durchmessend, preßt er jetzt
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– Als such' er Kühlung für die heiße Stirn –
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Sein fiebrig Haupt an seines Fensters Gitter,
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Und jetzt, durch trübes Scheibenglas hindurch,
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Nachblickend der zerrißnen Wolken Zug,
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Fährt plötzlich er zurück: ins Glas gekritzelt
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Steht »Essex« und ein Sterbekreuz darunter.

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Seltsames Spiel! Dieselben Wände sind's,
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Drin einst – wie er, verklagt auf Tod und Leben –
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Sein Nebenbuhler saß, zugleich sein
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Und siehe da! durchs Herz ihm, das noch eben,
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Von Ruhmes-Recht geträumt, gehn jetzt die Schauer
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Er zittert, und als scheu zum zweiten Male
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Sein Aug' er jetzt erhebt, da sind's des Grafen
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Schriftzüge nicht, nein, Züge des Gesichts,
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Und eine Grabesstimme ruft ihm zu:
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»irland stand auf – gleich
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Cadix bot Trotz – ich nahm's im Sturm, wie
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All meine Schuld, nicht größer als die deine,
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War königlicher Gunst verzognes Kind.
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Denn sieh, als leise schon das Wörtchen ›Gnade‹
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Den Weg vom Herzen auf die Lippe nahm,
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Erschlug die Tücke meines Nebenbuhlers
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Das süße Wort – und als der Herrin Huld
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Auch da noch schwankte, meinen ›Tod‹ zu schreiben,
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Da führte
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Vernimm: die
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Bereite dich, du zahlst sie mit dem Tod.«

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Die Stimme schwieg; der Morgen kam – die Zelle
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War öd' und leer. Doch auf dem Gras des Hofes
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Lag Tau der Nacht und Walter Raleighs Blut.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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