3. Maria und Bothwell

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Theodor Fontane: 3. Maria und Bothwell (1851)

1
König Darnley liegt erschlagen,
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Graf Bothwell hat es getan;
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Sechs Lords von Schottland tragen
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Die Leiche nach Sankt Alban,
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Sie stellen bei Fackelscheine
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Den Sarg an den Altar hin –
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Von Trauernden fehlt nur
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Maria, die Königin.

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Die sitzet daheim im Schlosse,
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In funkelnder Nische des Saals,
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Auf dem Sammetpfühl ihr Genosse
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Ist der Mörder ihres Gemahls;
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Dem Lande kleidet die Trauer,
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Der Königin kleidet die Lust,
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Kalt-heiße Wonneschauer
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Durchrieseln ihre Brust.

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Sie spricht verlockenden Schalles:
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»nun komm und küsse dich rot,
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Ich danke dir alles, alles,
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Mein Leben und –
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O schau nicht so fragend und bange,
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Schau lieber wie sonst mich an,
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Leg ab die blasse Wange –
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Getan ist, was getan.«

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Die Kerzen brennen wie lüstern
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Und geben schwülen Hauch,
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Immer leiser wird das Flüstern,
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Nun schweigt das Flüstern auch,
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Ihr Atem lodert zusammen,
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Wie Glut und Glut sich mischt,
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Bis mählich in Flackerflammen
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So Lust wie Licht erlischt.

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Still wird's; nur Mondeslichter
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Durchhuschen noch bleich den Saal,
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Es schlummern, wie Totengesichter,
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Graf Bothwell und sein Gemahl.
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Sie schlummern; des Windes Weise
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Erstirbt im hohen Kamin,
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An den Wänden, hastig-leise,
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Schatten vorüberfliehn.

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Und hastiger wird ihr Treiben,
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Schon graut und dämmert der Tag,
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Da schlägt's an die klirrenden Scheiben
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Wie flatternder Flügelschlag;
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Auf fahren die zwei vom Kissen,
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Verstört an Haar und Sinn;
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Im Traume ward wach ihr Gewissen,
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Und es murmelt die Königin:

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»hilf, Himmel, ich sah die Meinen
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Landflüchtig, der Zügel beraubt,
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Der fallenden Krone des einen
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Nach rollte sein fallendes Haupt,
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Und wie Donner durch meine Seele
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Ging zürnend das alte Lied:

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Maria hat es gesprochen,
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Graf Bothwell hört es kaum,
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Seine Schläfe pulsen und pochen,
58
Er denkt an den eigenen Traum,
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Er spricht unter Starren und Stocken:
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»sie grüßte, dann betete sie,
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Ab schnitt ihr der Henker die Locken –
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Ach,

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Graf Bothwell hat es gesprochen,
64
Maria hört ihn kaum,
65
Ihre Schläfe pulsen und pochen,
66
Sie denkt an den eigenen Traum,
67
Stumm blicken die Buhlergatten
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Sich an so blaß, so bang –
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König Darnleys blutiger Schatten
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Schreitet den Saal entlang.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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