Swend Gabelbart

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Theodor Fontane: Swend Gabelbart (1889)

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Swend
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Er siegreich das Zepter von Dänemark hält,
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Seine Schiffe von Insel zu Insel ziehn,
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Unterworfen ist Wendland und Julin,
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Und nun gen Westen, über das Meer
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Jagt er, der Schrecken vor ihm her,
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In die Themsemündung fährt er ein,
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Ganz London ist ein Feuerschein.
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Und nun zu Roß und nun zu Hauf
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Essex und Norfolk zieht er hinauf,
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Und mit Zechgenossen und Kumpanei
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Reitet er ein in Sankt Edmunds-Abtei.

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Da sitzen sie nun die Hall' entlang,
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Aus der Kirche klingt frommer Mönche Gesang.
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»was soll das Geplärr uns?« Und in die Kapell'n
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Swend Gabelbart läßt seinen Marstall er stell'n,
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Er mag sie nicht hören, die Litanein,
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(lärm und Gewieher, so soll es sein),
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In der Rosse Gestampf erlischt der Chor,
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Swend aber lacht: »
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Schüttet Hafer auf Sankt Edmunds Truh,
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Er selber nickt euch den Segen dazu.«

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Sankt Edmund, an schwarz-goldener Wand,
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Hall' aufwärts in seiner Nische stand.
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Einst war er König. Ein mattes Licht
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Umspielt ihn flackernd; Swend aber spricht:
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»sankt Edmund, du schufst hier Kirch' und Abtei,
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Dein Land, es ging verloren dabei,
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Nun stehst du da, trägst mönchisch Gewand,
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Hältst wie zum Spott ein Schwert in der Hand,
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Ein
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Und doch, o König, warst König du je,
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Du tätest jetzt ab deine Todesruh
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Und kämst als ein Rächer auf mich zu,
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Und ob zerbrochen auch dein Schwert,
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Es wäre dir doch des Kampfes wert,
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Aus dieser Hall' hier, aus diesem Haus,
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Auch mit
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Ein Mönchsbild warst du bei Lebzeit schon.«

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Swend Gabelbart schwieg. Im Kreise rundum
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Ward es so still und ward es so stumm,
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In der Nische das Licht immer düsterer brennt.
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Da steigt es herab vom Postament,
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Und tapp und tapp, in steinerem Schuh
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Auf Swend Gabelbart schreitet Sankt Edmund zu,
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Vor streckt er sein zerbrochen Schwert:
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»nun, Swend, laß sehn, wer besser bewehrt.«
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Aus des Königs Aug' ein Entsetzen spricht,
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Er schlägt nach dem Schwert,
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Das stumpfe Schwert, es traf ihn gut,
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Swend Gabelbart liegt in seinem Blut.
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Näher klingt der Mönche Gesang –
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Sie tragen den Toten die Hall' entlang.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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