Harald Harfager

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Theodor Fontane: Harald Harfager (1887)

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Da sprach König Harald (Harfager zubenannt):
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»wißt, ich habe Boten an Rynhild ausgesandt,
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An Rynhild, Blaatands Tochter. Und ziehet sie morgen ein,
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Unter meinen Frauen allen soll fortan auch Rynhilde sein.«
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Sprach es König Harald. Und auf und ab im Saal
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Im Schlosse zu Drammen saßen die Großen allzumal,
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Und dazwischen in lachender Jugend und wie Kinder anzuschaun
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Saßen blond und stolz und glücklich Harald Harfagers neunundzwanzig Fraun.
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Aber plötzlich schwieg das Flüstern, Olaf Thureson trat in den Kreis.
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Olaf Thureson, Haralds Bote. Vor den König tritt er und spricht:
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»ich bringe Rynhilds Antwort, Rynhilden aber bring' ich
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In der Marmorhalle zu Roskild', meine Botschaft zu hören bereit,
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Stand sie, Korallen im Goldhaar, an König Blaatands Seit',
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Längst war ihr Kunde gekommen, um wessentwill' ich kam,
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Und sie lachte, dieweil sie die Spange wie spielend von ihrem Arme nahm.
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König Harald ist Herr über Norweg, über Norwegs Frauen auch,
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Aber euer Brauch in Drammen ist nicht in Roskilde Brauch,
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Und liebt' ich ihn, wie ich ihn hasse, meine Liebe hätte nicht Eil',
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Ein ganzes Herz will Rynhilde, nicht eines Herzens dreißigsten Teil.«
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Olaf Thureson sprach's. Wie Freude zuckt's um die Lippe der Fraun,
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Aber rot auf Haralds Stirne war das Zornesmal zu schaun,
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Er rief: »Und wirken nicht Worte, so wirke denn das Schwert,
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Noch nie hat König Harald ein Königskind umsonst begehrt.«
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Und er stieg hinab zum Strande. Segelfertig Schiff um Schiff;
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Am ersten Tage vorüber an Skagens Horn und Riff,
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Am zweiten: Nebel und Windstill', alle Segel schlaff und matt,
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Aber sieh, mit Ruderschlage geht es süderwärts in das Kattegatt.
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Und am dritten Tag ein Windstoß und zerrissen die Nebelschlei'r,
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Und am blauen Himmel die Sonne. »Die Sonne, die schickt uns Frej'r.
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Und bei Kriegshörnerblasen läuft Harald ein in Roskilde-Fjord.
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Hoch oben aber am Saaltor, auf der Treppe von Roskild',
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In Ruhe steht König Blaatand und neben ihm Rynhild',
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Und sie zählen die Nordlandsschiffe, hundert Segel fast –
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Am Bug steht König Harald. Kriegswimpel flattern hoch am Mast.
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»krieg bringt er!« Aber plötzlich ... welch' Wunder, das Wandel schuf,
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Es schweigt das Waffenklirren, und es schweigt der Schlachtenruf,
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Es schweigt der Hörner Blasen – nur Zimbeln und Schalmein:
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»harald kommt nicht, um zu fechten, Harald kommt, um minniglich zu frein.«
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Und sieh, hinan die Stufen steigt er und beugt sein Knie:
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»könig Blaatand, deine Tochter, in Demut werb' ich um sie,
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Meinen Stolz hat sie bezwungen. Und meiner Krone Glanz,
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Ich will ihn

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Theodor Fontane
(18191898)

* 30.12.1819 in Neuruppin, † 20.09.1898 in Berlin

männlich, geb. Fontane

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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