Geh nicht hinein

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Theodor Storm: Geh nicht hinein (1878)

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Im Flügel oben hinterm Korridor,
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Wo es so jählings einsam worden ist
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– Nicht in dem ersten Zimmer, wo man sonst
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Ihn finden mochte, in die blasse Hand
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Das junge Haupt gestützt, die Augen träumend
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Entlang den Wänden streifend, wo im Laub
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Von Tropenpflanzen ausgebälgt Getier
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Die Flügel spreizte und die Tatzen reckte,
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Halb Wunder noch, halb Wissensrätsel ihm
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– Nicht dort; der Stuhl ist leer, die Pflanzen lassen
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Verdürstend ihre schönen Blätter hängen;
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Staub sinkt herab; – nein, nebenan die Tür,
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In jenem hohen dämmrigen Gemach
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– Beklommne Schwüle ist drin eingeschlossen –,
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Dort hinterm Wandschirm auf dem Bette liegt
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Etwas – geh nicht hinein! Es schaut dich fremd
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Und furchtbar an.
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Vor wenig Stunden noch
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Auf jenen Kissen lag sein blondes Haupt;
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Zwar bleich von Qualen, denn des Lebens Fäden
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Zerrissen jäh; doch seine Augen sprachen
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Noch zärtlich, und mitunter lächelt' er,
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Als säh er noch in goldne Erdenferne.
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Da plötzlich losch es aus; er wußt es plötzlich
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– Und ein Entsetzen schrie aus seiner Brust,
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Daß ratlos Mitleid, die am Lager saßen,
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In Stein verwandelte –, er lag am Abgrund;
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Bodenlos, ganz ohne Boden. – »Hilf!
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Ach Vater, lieber Vater!« Taumelnd schlug
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Er um sich mit den Armen; ziellos griffen
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In leere Luft die Hände; noch ein Schrei –
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Und dann verschwand er.
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Dort, wo er gelegen,
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Dort hinterm Wandschirm, stumm und einsam liegt
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Jetzt etwas; – bleib, geh nicht hinein! Es schaut
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Dich fremd und furchtbar an; für viele Tage
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Kannst du nicht leben, wenn du es erblickt.
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»und weiter – du, der du ihn liebtest –, hast
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Nichts weiter du zu sagen?«
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Weiter nichts.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Theodor Storm
(18171888)

* 14.09.1817 in Husum, † 04.07.1888 in Hanerau-Hademarschen

männlich, geb. Storm

natürliche Todesursache | Magenkarzinom

deutscher Schriftsteller und Jurist

(Aus: Wikidata.org)

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