Gräber in Schleswig

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Theodor Storm: Gräber in Schleswig (1863)

1
Nicht Kranz noch Kreuz; das Unkraut wuchert tief;
2
Denn die der Tod bei Idstedt einst entboten,
3
Hier schlafen sie, und deutsche Ehre schlief
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Hier dreizehn Jahre lang bei diesen Toten.

5
Und dreizehn Jahre litten jung und alt,
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Was leben blieb, des kleinen Feindes Tücken,
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Und konnten nichts als, stumm die Faust geballt,
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Den Schrei des Zorns in ihrer Brust ersticken.

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Die Schmach ist aus; der ehrne Würfel fällt!
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Jetzt oder nie! Erfüllet sind die Zeiten,
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Des Dänenkönigs Totenglocke gellt;
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Mir klinget es wie Osterglockenläuten!

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Die Erde dröhnt; von Deutschland weht es her,
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Mir ist, ich hör ein Lied im Winde klingen,
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Es kommt heran schon wie ein brausend Meer,
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Um endlich alle Schande zu verschlingen! – –

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Törichter Traum! – Es klingt kein deutsches Lied,
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Kein Vorwärts schallt von deutschen Bataillonen;
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Wohl dröhnt der Grund, wohl naht es Glied an Glied;
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Doch sind's die Reiter dänischer Schwadronen.

21
Sie kommen nicht. Das Londoner Papier,
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Es wiegt zu schwer, sie wagen's nicht zu heben.
23
Die Stunde drängt. So helft, ihr Toten hier!
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Ich rufe euch und hoffe nichts vom Leben.

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Wacht auf, ihr Reiter! Schüttelt ab den Sand,
26
Besteigt noch einmal die gestürzten Renner!
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Blast, blast, ihr Jäger! Für das Vaterland
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Noch einen Strauß! Wir brauchen Männer, Männer!

29
Tambour, hervor aus deinem schwarzen Schrein!
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Noch einmal gilt's, das Trommelfell zu schlagen;
31
Soll euer Grab in deutscher Erde sein,
32
So müßt ihr noch ein zweites Leben wagen! –

33
Ich ruf umsonst! ihr ruht auf ewig aus;
34
Ihr wurdet eine duldsame Gemeinde.
35
Ich aber schrei es in die Welt hinaus:
36
Die deutschen Gräber sind ein Spott der Feinde!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Theodor Storm
(18171888)

* 14.09.1817 in Husum, † 04.07.1888 in Hanerau-Hademarschen

männlich, geb. Storm

natürliche Todesursache | Magenkarzinom

deutscher Schriftsteller und Jurist

(Aus: Wikidata.org)

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