Gräber an der Küste

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Theodor Storm: Gräber an der Küste (1850)

1
Mit Kränzen haben wir das Grab geschmückt,
2
Die stille Wiege unsrer jungen Toten;
3
Den grünsten Efeu haben wir gepflückt,
4
Die spätsten Astern, die das Jahr geboten.

5
Hier ruhn sie waffenlos in ihrer Gruft,
6
Die man hinaustrug aus dem Pulverdampfe;
7
Vom Strand herüber weht der Meeresduft,
8
Die Schläfer kühlend nach dem heißen Kampfe.

9
Es steigt die Flut; vom Ring des Deiches her
10
Im Abendschein entbrennt der Wasserspiegel;
11
Ihr schlafet schön! Das heimatliche Meer
12
Wirft seinen Glanz auf euren dunklen Hügel.

13
Und rissen sie die Farben auch herab,
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Für die so jung ihr ginget zu den Bleichen,
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Oh, schlafet ruhig! Denn von Grab zu Grab
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Wehn um euch her der Feinde Wappenzeichen.

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Nicht euch zum Ruhme sind sie aufgesteckt;
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Doch künden sie, daß eure Kugeln trafen,
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Daß, als ihr euch zur ew'gen Ruh gestreckt,
20
Den Feind ihr zwanget, neben euch zu schlafen.

21
Ihr aber, denen ohne Trommelschlag
22
Durch Feindeshand bereitet ward der Rasen,
23
Hört dieses Lied! und harret auf den Tag,
24
Daß unsre Reiter hier Reveille blasen! –

25
Doch sollte dieser heiße Lebensstreit
26
Verlorengehn wie euer Blut im Sande
27
Und nur im Reiche der Vergangenheit
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Der Name leben dieser schönen Lande:

29
In diesem Grabe, wenn das Schwert zerbricht,
30
Liegt deutsche Ehre fleckenlos gebettet!
31
Beschützen konntet ihr die Heimat nicht,
32
Doch habt ihr sterbend sie vor Schmach gerettet.

33
Nun ruht ihr, wie im Mutterschoß das Kind,
34
Und schlafet aus auf heimatlichem Kissen;
35
Wir andern aber, die wir übrig sind,
36
Wo werden wir im Elend sterben müssen!

37
Schon hatten wir zu festlichem Empfang
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Mit Kränzen in der Hand das Haus verlassen;
39
Wir standen harrend ganze Nächte lang,
40
Doch nur die Toten zogen durch die Gassen.-

41
So nehmet denn, ihr Schläfer dieser Gruft,
42
Die spätsten Blumen, die das Jahr geboten!
43
Schon fällt das Laub im letzten Sonnenduft –
44
Auch dieses Sommers Kranz gehört den Toten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Theodor Storm
(18171888)

* 14.09.1817 in Husum, † 04.07.1888 in Hanerau-Hademarschen

männlich, geb. Storm

natürliche Todesursache | Magenkarzinom

deutscher Schriftsteller und Jurist

(Aus: Wikidata.org)

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