Einen Haushalt klein und fein

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Friedrich Rückert: Einen Haushalt klein und fein Titel entspricht 1. Vers(1827)

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Einen Haushalt klein und fein
2
Hab' ich angestellt;
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Der soll mein Freund sein,
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Dem er wohlgefällt.

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Der Specht, der Holz mit dem Schnabel haut,
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Hat das Haus mir aufgebaut;
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Daß das Haus beworfen sei,
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Trug die Schwalbe Mörtel bei,
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Und als Dach hat sich zuletzt
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Obendrauf ein Schwamm gesetzt.

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Drinnen die Kammern
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Und die Gemächer,
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Schränke und Fächer
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Flimmern und flammern;
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Alles hat mir unbezahlt
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Schmetterling mit Duft bemalt.

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O wie rüstig in dem Haus
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Geht die Wirtschaft ein und aus.

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Wasserjüngferchen, das flinke,
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Holt mir Wasser, das ich trinke;
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Biene muß mir Essen holen,
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Frage nicht, wo sie's gestohlen.

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Schüsseln sind die Eichelnäpfchen,
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Und die Krüge Tannenzäpfchen,
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Messer, Gabel,
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Rosendorn und Vogelschnabel.

27
Storch im Haus ist Kinderwärter,
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Maulwurf Gärtner,
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Und Beschließerin im Häuslein
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Ist das Mäuslein.

31
Aber die Grille
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Singt in der Stille,
33
Sie ist das Heimchen, ist immer daheim
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Und weiß nichts als den einen Reim.

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Doch im ganzen Haus das Beste
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Schläft noch feste.

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In dem Winkel, in dem Bettchen,
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Zwischen zweien Rosenblättchen,
39
Schläft das Schätzchen Tausendschönchen,
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Ihr zu Fuß ein Kaiserkrönchen.
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Hüter ist Vergißmeinnicht,
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Der vom Bette wanket nicht;
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Glühwurm mit dem Kerzenschimmer
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Hellt das Zimmer.

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Die Wachtel wacht
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Die ganze Nacht,
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Und wenn der Tag beginnt,
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Ruft sie: »Kind! Kind!
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Wach' auf geschwind.«

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Wenn die Liebe wachet auf,
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Geht das Leben raschen Lauf.

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In seidnen Gewändern,
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Gewebt aus Sommerfaden,
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In flatternden Bändern,
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Von Sorgen unbeladen,
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Lustig aus dem engen Haus
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Die Flur hinaus.

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Schönen Wagen
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Hab' ich bestellt,
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Uns zu tragen
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Durch die Welt.

62
Vier Heupferdchen sollen ihn
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Als vier Apfelschimmel ziehn;
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Sie sind wohl ein gut Gespann,
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Das mit Rossen sich messen kann;
66
Sie haben Flügel,
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Sie leiden nicht Zügel,
68
Sie kennen alle Blumen der Au'
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Und alle Tränken von Tau genau.

70
Es geht nicht im Schritt;
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Kind, kannst du mit?
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Es geht im Trott!
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Nur zu mit Gott!

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Laß du sie uns tragen
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Nach ihrem Behagen;
76
Und wenn sie uns werfen vom Wagen herab,
77
So finden wir unter Blumen ein Grab.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Rückert
(17881866)

* 16.05.1788 in Schweinfurt, † 31.01.1866 in Neuses

männlich, geb. Rückert

deutscher Dichter, Übersetzer und Orientalist (1788–1866)

(Aus: Wikidata.org)

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