Die beiden Lenen

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Friedrich Rückert: Die beiden Lenen (1827)

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Auf der Kindheit frühsten Szenen
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Im Erinnerungsdämmerschein
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Seh' ich um mich stehn zwo Lenen,
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Beide meine Schwesterlein;
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Alles kam von denen,
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Was von zarter Poesie ist mein.

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Mir, dem Knaben, nachgeboren,
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Sahn sie selbst einander nicht;
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Schon der einen war verloren,
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Eh' die andr' es sah, das Licht;
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Und ich war erkoren,
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Beide zu vereinen im Gedicht.

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Nach der ersten ging die zweite,
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Als sie mir gelächelt kaum;
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Standen mir darauf zur Seite
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Nur, wie noch sie stehn, im Traum,
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Blickten zum Geleite
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Mir hernieder aus des Himmels Raum.

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Ob sie je den Blick entzogen,
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Wenn ich sein nicht würdig war?
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Aber niemals mir entflogen
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Meine Engel ganz und gar;
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Aus den tiefsten Wogen
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Sah ich hoch mein Sterne-Schwester-Paar.

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Jede von euch heißet Lene,
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Doch der Nam' ist ganz nicht gleich.
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Voller heiß die ein' Helene,
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Bild aus griech'schem Schönheitsreich,
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Aber Magdalene
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Hieß die andre herzempfindungsweich.

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Ob Helen', ob Magdalene
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Erste oder zweite war,
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Weiß ich nicht, es ist Helene
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Nur mit Magdalen' ein Paar,
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Die nicht ohne jene,
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Beide miteinander immerdar.

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O Helene, der Hellenen
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Schöne Klarheit strahle du!
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Magdalene, Magd in Thränen,
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Sehnen gib und Friedensruh'
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Mir und allen denen,
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Die noch hören meinen Liedern zu!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Rückert
(17881866)

* 16.05.1788 in Schweinfurt, † 31.01.1866 in Neuses

männlich, geb. Rückert

deutscher Dichter, Übersetzer und Orientalist (1788–1866)

(Aus: Wikidata.org)

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