9.

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Friedrich Rückert: 9. (1827)

1
In diesem Walde möcht' ich wohnen,
2
Der freie Jäger möcht' ich sein,
3
Der in die dunklen Laubeskronen
4
Sich hat gepflanzt sein Haus hinein.

5
Der erste Strahl der Sonne schauet
6
Durch Tannengrün ins Schlafgemach,
7
Wo ihm der Schlaf im Aug' zertauet,
8
In Liebchens Armen wird er wach.

9
Sogleich mit seinen treuen Hunden
10
Zieht er hinaus durch Wald und Flur
11
Und hat im Morgentau gefunden
12
Des Hirsches und des Rehes Spur.

13
Der Schütze jauchzt, die Hunde bellen,
14
Das scharfe Rohr gibt seinen Knall,
15
Und Jägerruf und Waldhorngellen
16
Erweckt im Forst den Widerhall.

17
Doch drinnen sitzt im Morgenhäubchen
18
Feinsliebchen, atmet Waldesduft
19
Und horcht, wie Amsel, Fink und Täubchen
20
Den Morgengruß ins Fenster ruft.

21
Sie hört im Forst die Zweige flüstern,
22
Daß sie ein süßes Grausen spürt,
23
Und auf dem Herd die Flammen knistern,
24
Die sie mit duft'gem Kien geschürt.

25
Wie lange mag der Liebste säumen
26
Bei seiner lust'gen Jägerei?
27
Der stille Strom mit Silberschäumen
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Fließt an des Gärtchens Zaun vorbei.

29
Sie schürzt sich auf als Fischermädchen
30
Und sitzt an Waldstroms grünem Rand;
31
Die Angel schwebt am leisen Fädchen,
32
Dann spielt der Fisch in ihrer Hand.

33
Und wenn der Jäger kommt nach Hause
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Und bringt das Wildbret für den Tisch,
35
Wird erst das Mahl zum leckern Schmause,
36
Den Jäger überrascht der Fisch.

37
Es haben sich die müden Rüden
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Im hohen Gras zur Ruh' gelegt,
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Weil auch den Jägersmann, den müden,
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Die Laub' in kühlem Schatten hegt,

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Er horcht, entschlummernd, auf das Gleiten
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Des Stroms, der leis' hinunterzieht.
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Die Liebste schmiegt sich ihm zur Seiten
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Und wiegt ihn ein mit einem Lied:

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Ihr Hirsch' im grünen Wald, ihr Rehe,
46
Nun lagert euch an kühler Flut
47
Und sorget nicht, daß euch geschehe
48
Ein Leid, denn euer Schütze ruht!

49
Du schau' mir, hohe Mittagsonne,
50
Nicht durch die laub'ge Nacht herein;
51
Und was du spähst von unsrer Wonne,
52
Das laß der Welt verschwiegen sein!

53
Ihr Stromeswellen, die ihr rauschet
54
Hinaus ins Land vom grünen Wald,
55
Sagt's keinem, daß ihr habt belauschet
56
Hier unsrer Freuden Aufenthalt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Rückert
(17881866)

* 16.05.1788 in Schweinfurt, † 31.01.1866 in Neuses

männlich, geb. Rückert

deutscher Dichter, Übersetzer und Orientalist (1788–1866)

(Aus: Wikidata.org)

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