Spekbacher

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Friedrich Rückert: Spekbacher (1827)

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Der Spekbacher, der Spekbacher!
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Wenn der die Schützen rief;
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Der Tag und Nacht und Nacht und Tag
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Den Feinden auf der Fährte lag
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Und gar des Nachts nicht schlief.

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Zum Schlafen nahm er nie sich Zeit,
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Als wenn er nachts wo ritt;
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Wenn dann das Pferd des Wegs fort lief,
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So saß der Held darauf und schlief
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Und kam vom Fleck damit.

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Und wenn wo kam ein Scheideweg,
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So stand der kluge Gaul;
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Aufwacht der Held, und wohlgemut,
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Als hätt' er recht die Nacht geruht,
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War er den Tag nicht faul.

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Der Spekbacher, der Spekbacher!
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Als er vor Kufstein lag,
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Ging er auf Kundschaft selbst zur Stadt,
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Zu sehn, ob sie noch Vorrat hat
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Und sich noch halten mag.

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Und als auf ihn Verdacht gefaßt
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Der Festung Kommandant,
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Ließ er ihn hin ins Zimmer stehn,
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Von Leuten ihn beim Licht besehn,
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Die ihn sonst wohl gekannt.

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Da sah der Held so mutig drein,
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So feltsam ganz und gar,
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Daß er von keinem ward erkannt,
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Und ihn entließ der Kommandant
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Hinaus zu seiner Schar.

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Der Spekbacher, der Spekbacher!
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Wenn er zum Kampf zog aus,
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Da lief sein kleiner Bub' ihm nach,
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Und was der Vater droht' und sprach,
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Er blieb doch nicht zu Haus.

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In das Gewehrfeu'r lief er 'nein,
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Da wies man ihn hinaus;
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Da macht' sich seitwärts hin der Bub',
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Wo Kugeln schlugen ein, die grub
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Er mit dem Messer aus.

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Und wie er sieht, den Schützen fehlt
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Es an Munition,
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Läuft er damit hinein ins Glied
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Und bringt, daß es sein Vater sieht,
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Sein Hütlein voll davon.

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Der Spekbacher, der Spekbacher!
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Als es nun lang' gewährt,
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Der Held nun gehn mußt' auf die Flucht,
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Ward er von Reitern aufgesucht,
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Für vogelfrei erklärt.

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Im Winter tief im Schneegebirg'
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Mußt' er umirren gehn;
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Als er sich in das Wetterloch
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In seiner höchsten Not verkroch,
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Hatt' er viel auszustehn.

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Im Mute der Verzweifelung
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Trieb's ihn zuletzt heraus;
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Er wagt's, ins Thal hinabzugehn,
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Sein treues Weib einmal zu sehn,
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Schlich er sich in sein Haus.

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Da fängt sein treuer Knecht ihn auf:
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Im Haus kein Flecklein ist,
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Die Reiter liegen überall;
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Er muß den Herrn im Pferdestall
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Eingraben unterm Mist.

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Der Knecht trägt ihm das Essen zu
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In seinem schlimmen Bett;
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Da liegt er mit begrab'nem Leib
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Und darf nicht einmal sehn sein Weib,
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So gern gethan er's hätt'.

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Da lag er einen Monat lang
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Und etwa länger noch;
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Da mußt' er auch von da nun fort;
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Sein treues Weib wollt' er am Ort
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Zuletzt nur sprechen doch.

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Da weinete das edle Weib
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In ungestillter Qual,
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Daß ihr vor Schmerz das Herz zerbrach,
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Weil liegen mußt' in solcher Schmach
80
Ihr edeler Gemahl.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Rückert
(17881866)

* 16.05.1788 in Schweinfurt, † 31.01.1866 in Neuses

männlich, geb. Rückert

deutscher Dichter, Übersetzer und Orientalist (1788–1866)

(Aus: Wikidata.org)

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