[klagen muß ich, daß ich klage]

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Friedrich Rückert: [klagen muß ich, daß ich klage] (1827)

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Klagen muß ich, daß ich klage,
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Mich anklagen muß ich, daß,
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Wie ich Leid um zweie trage,
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Ich die übrigen vergaß.
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Als sei hinweg das beste,
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Hat keine Freud' am Reste
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Das Auge thränennaß.

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Alle glaubt' ich lieb zu haben,
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Alle lieb mit gleichem Trieb;
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Aber nun, die ich begraben,
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Hab' ich doppelt, dreifach lieb,
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Lieb, weil ich sie geboren,
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Lieb, weil ich sie verloren,
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Lieb, weil nur das mir blieb.

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Meine Größren sind die Sorgen,
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Meinen Sorgen bleib' ich treu;
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Meine Kleinen, jeden Morgen
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Waren sie mein Spielwerk neu.
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Die Sorgen sind geblieben,
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Der Tod nahm nur die lieben
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Spielpüppchen ohne Scheu.

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»größer würden sie geworden
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Und dem Spiel entwachsen sein.«
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O wie frostig weht von Norden
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Mir der Trost ins Herz hinein!
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Ich hofft' es zu erleben,
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Daß groß sie würden eben,
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Nun waren sie noch klein.

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Heut sprang einer von den Jungen
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Grade so ans Herz mir her,
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Wie mein Mädchen sonst gesprungen,
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Ach, und nun nicht springet mehr;
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Ich woll' ihn zu mir heben,
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Die Arme fühlt' ich beben,
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Er war zu groß und schwer.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Rückert
(17881866)

* 16.05.1788 in Schweinfurt, † 31.01.1866 in Neuses

männlich, geb. Rückert

deutscher Dichter, Übersetzer und Orientalist (1788–1866)

(Aus: Wikidata.org)

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