Hinaus aufs Meer! die glatten Wellen funkeln

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Gerrit Engelke: Hinaus aufs Meer! die glatten Wellen funkeln Titel entspricht 1. Vers(1917)

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Hinaus aufs Meer! die glatten Wellen funkeln.
2
Froh durch des Gartens saftige Bukette,
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Darin im Licht die Rosen röter dunkeln.

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Es knirscht der Ufersand am Landungsbrette:
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Hurra, mein Boot! ihr braunlackierte Planken,
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Du ungeduldig Tanzboot an der Kette,

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Dir schlägt der Schaum die schmalgewölbten Flanken;
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Vertrauter Seegenosse, du mein Freund,
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Wie manche Wetterfahrt kann ich dir danken;

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Bin auch wie du von Brand und Salz gebräunt.
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Die Riemen raus und uferab gestrebt
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Mit kräft'gem Schlag – vom Gartengrün umzäunt

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Winkt wärmeflimmernd weiß das Haus und schwebt
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Auf prallbemaltem heißen Uferstriche:
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Ein Bild von Herdlichkeit, doch erdgeklebt.

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Nun Ärmel aufgekrempt; die mittagliche
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Vorm durst'gen Blick weitoffne Flut gewinnen,
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Die hin und her sich wirft im Sonnenstiche.

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Getauchte Ruder ächzen in den Pinnen,
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Ein salzgewürzter Wind springt herrlich auf,
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Läßt sprühend Schaumgespritz vom Buge rinnen.

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Glückheißer Tag! leuchtblau emporgerundet –
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Darein die braune Stirn, die Brust getaucht
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Und lichtflutvoll sich atmend froh gesundet.

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O wie mit jedem Ruck, von Kraft gestaucht,
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Der Horizont sich immer größer weitet –
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Die weißen Wolken blühn, das Wasser raucht –

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Lichtmeer ist über Wassermeer gebreitet –
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Ich zieh die glanzbeströmten Ruder ein
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Und horch wie unterm Kiel das Wasser gleitet,

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Wie in den hohen königlichen Schein,
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Wie in das große Wolkensausen oben
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Das kühle Glucksen zärtlich singt hinein.

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Fanfaren schmettern Göttertag da droben,
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Umarmend, ewigkeitlich unbewußt –
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O Meer, o Himmel, Licht in Licht gehoben!

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O Mensch, entblöße glücklich deine Brust!
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Wirf ab, wirf ab das Kleid, so grau und trennend,
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Stürz ein in diese unsagbare Lust!

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O nun ich nackt, mitbrausend und mitbrennend,
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Bestürm ich denkend, singend, brünstig dich,
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Dich Gott und Tagerleuchter, Vater nennend.

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Wie wüßt ich diesem Glück, so sonderlich,
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Denn andern vollen Namen als den deinen,
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Der alle Dinge wärmet väterlich.

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Du willst auch gütig jetzt um mich, den einen,
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Der kam vom flachen Ufer Mann und arm,
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Mit diesem reichen Augenblick vereinen.

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Ich bin umweht in himmlischem Alarm,
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Und staune blind, o Herr, in dieses Licht,
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Dein Odem trieft von meiner Brust so warm,

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Ich hebe Mund und Stirn, und seh dich nicht...
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Und glaube doch dich her zu mir im Leuchten,
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Dein Sohn von Angesicht zu Angesicht.

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Halt weich und fest den in die Knie Gebeugten,
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Der ungeborn dir schon am Busen lag –
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Ich fühle Strahlenschimmer mich umfeuchten,

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Fühl deines Sonneherzens Flügelschlag
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Die tausendporenoffne Haut mir streifen,
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Fühl eine Vaterhand durch diesen Tag

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Nach meinem tanzgewiegten Herzen greifen
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Und Heiterkeit mit tausend Tönen flügeln
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Und Aufgehobenheit ins Höchste schweifen.

64
Du hältst mich immer wieder über Hügeln,
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Gesang, mein Gott, aus Dämmern und Beschwerde –
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Du kannst zum Guten alles in mir zügeln!

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Ich fühle wie ich kindlich, göttlich werde!
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Ich liebe dich, mein Vater, gut und grau,
69
Mit Meer und Tag und diesem Glanz der Erde!

70
Allum in Luft und Flut braust Wolkenblau –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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