[die Abendwinde wehen]

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Clemens Brentano: [die Abendwinde wehen] (1825)

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Die Abendwinde wehen,
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Ich muß zur Linde gehen,
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Muß einsam weinend stehen,
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Es kommt kein Sternenschein;
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Die kleinen Vöglein sehen
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Betrübt zu mir und flehen,
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Und wenn sie schlafen gehen,
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Dann wein' ich ganz allein!
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»ich hör' ein Sichlein rauschen,
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Woll rauschen durch den Klee,
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Ich hör' ein Mägdlein klagen
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Von Weh, von bitterm Weh!«

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Ich soll ein Lied dir singen,
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Ich muß die Hände ringen,
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Das Herz will mir zerspringen
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In bittrer Tränenflut,
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Ich sing' und möchte weinen,
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So lang der Mond mag scheinen,
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Sehn' ich mich nach der Einen,
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Bei der mein Leiden ruht!
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»ich hör' ein Sichlein rauschen,
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Wohl rauschen durch den Klee,
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Ich hör' ein Mägdlein klagen
24
Von Weh, von bitterm Weh!«

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Mein Herz muß nun vollenden,
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Da sich die Zeit will wenden,
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Es fällt mir aus den Händen
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Der letzte Lebenstraum.
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Entsetzliches Verschwenden
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In allen Elementen,
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Mußt' ich den Geist verpfänden,
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Und alles war nur Schaum!
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»ich hör' ein Sichlein rauschen,
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Wohl rauschen durch den Klee,
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Ich hör' ein Mägdlein klagen
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Von Weh, von bitterm Weh!«

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Was du mir hast gegeben,
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Genügt ein ganzes Leben
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Zum Himmel zu erheben;
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O sage, ich sei dein!
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Da kehrt sie sich mit Schweigen
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Und gibt kein Lebenszeichen,
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Da mußte ich erbleichen,
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Mein Herz ward wie ein Stein.
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»ich hör' ein Sichlein rauschen,
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Wohl rauschen durch den Klee,
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Ich hör' ein Mägdlein klagen
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Von Weh, von bitterm Weh!«

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Heb Frühling jetzt die Schwingen,
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Laß kleine Vöglein singen,
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Laß Blümlein aufwärts dringen,
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Süß Lieb geht durch den Hain.
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Ich mußt' mein Herz bezwingen,
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Muß alles niederringen,
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Darf nichts zu Tage bringen,
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Wir waren nicht allein!
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»ich hör' ein Sichlein rauschen,
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Wohl rauschen durch den Klee,
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Ich hör' ein Mägdlein klagen
60
Von Weh, von bitterm Weh!«

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Wie soll ich mich im Freien
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Am Sonnenleben freuen,
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Ich möchte laut aufschreien,
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Mein Herz vergeht vor Weh!
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Daß ich muß alle Tränen,
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All Seufzen und all Sehnen
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Von diesem Bild entlehnen,
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Dem ich zur Seite geh'!
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»ich hör' ein Sichlein rauschen,
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Wohl rauschen durch den Klee,
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Ich hör' ein Mägdlein klagen
72
Von Weh, von bitterm Weh!«

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Wenn du von deiner Schwelle
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Mit deinen Augen helle,
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Wie letzte Lebenswelle
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Zum Strom der Nacht mich treibst,
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Da weiß ich, daß sie Schmerzen
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Gebären meinem Herzen
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Und löschen alle Kerzen,
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Daß du mir leuchtend bleibst!
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»ich hör' ein Sichlein rauschen,
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Wohl rauschen durch den Klee,
83
Ich hör' ein Mägdlein klagen
84
Von Weh, von bitterm Weh!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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