Am vierundzwanzigsten Sonntage nach Pfingsten

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Clemens Brentano: Am vierundzwanzigsten Sonntage nach Pfingsten (1826)

1
Wenn nach Daniel sich hebet
2
Fluch und Greul an heil'gem Ort,
3
Wer dann in Judäa lebet
4
Fliehe auf die Berge fort!

5
Keiner steig' vom Dache nieder
6
Etwas holen in dem Haus;
7
Keiner kehr' vom Felde wieder,
8
Um sein Kleid etwa, nach Haus.

9
Weh der Schwangern, und der Kinder
10
Säugenden, dann schweres Weh!
11
Fleht, daß nicht die Flucht im Winter
12
Und am Sabbat nicht gescheh'.

13
Solche Not war nie ersehen
14
Von dem Anfang bis zur Zeit,
15
Wird nicht wieder auch ergehen
16
Bis zum Ende aller Zeit.

17
Niemand würde selig werden,
18
Würde nicht verkürzt die Pein,
19
Um die Auserwählten werden
20
Doch verkürzt die Tage sein.

21
Glaubt dann nicht, sollt' einer reden:
22
»hier ist Christus, dort ist er!«
23
Falsche Christus, Trugpropheten
24
Ziehn mit Wundern dann umher.

25
Heißt es: »In der Wüste gehet
26
Christus dort!« Geht nicht hinaus.
27
Heißt's: »Im innern Haus ihn sehet!«
28
Gehet nicht nach ihm ins Haus.

29
Denn wie Blitz vom Aufgang helle
30
Leuchtend fährt von Gottes Thron
31
In des Niederganges Schwelle,
32
So kömmt einst der Menschensohn.

33
Wo der Leib sein wird, da wieder
34
Sammelt sich der Adler Schar:
35
Zu dem Haupte kommt ihr Glieder,
36
Stellt mit ihm die Kirche dar.

37
Nach der Notzeit bald erdunkeln
38
Sonnenschein und Mondenlicht,
39
Sterne fallen, die jetzt funkeln;
40
Himmelskraft erschüttert bricht.

41
Nur des Menschensohnes Zeichen
42
Wird am Himmel leuchtend stehn,
43
Und der Erdgeschlechter Schweigen
44
Laut in Wehklang übergehn;

45
Denn sie sehen, groß und mächtig
46
Kommet nun der Menschensohn
47
Ganz in Herrlichkeit und prächtig
48
Auf der Himmelswolken Thron.

49
Seine Engel wird er senden,
50
Sammelnd mit Posaunenschall
51
Von Weltenden zu Weltenden
52
Seine Auserwählten all.

53
Zweig und Blatt vom Baum der Feigen
54
Lehrt euch, wann der Sommer nah;
55
Seht ihr nun einst diese Zeichen,
56
Ist des Herren Tag auch da.

57
Dies Geschlecht wird nicht vergehen,
58
Wahrlich! bis dies wird geschehn;
59
Erd' und Himmel wird vergehen,
60
Doch mein Wort wird ewig stehn.

61
Der Erlöser nennt die Zeichen,
62
Die voran dem Richter gehn,
63
Daß erlöset, ohn' Erbleichen,
64
Wir den Richter kommen sehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.