Ermunterung zur Kinderliebe und zum Kindersinne

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Clemens Brentano: Ermunterung zur Kinderliebe und zum Kindersinne (1822)

1
Wer ist ärmer als ein Kind?
2
An dem Scheideweg geboren,
3
Heut geblendet, morgen blind,
4
Ohne Führer geht's verloren;
5
Wer ist ärmer als ein Kind?
6
Wer dies einmal je empfunden,
7
Ist den Kindern durch das Jesukind verbunden!

8
Welch Geheimnis ist ein Kind?
9
Gott ist auch ein Kind gewesen;
10
Weil wir Gottes Kinder sind,
11
Kam ein Kind, uns zu erlösen.
12
Welch Geheimnis ist ein Kind?
13
Wer dies einmal je empfunden,
14
Ist den Kindern durch das Jesukind verbunden!

15
Die im Himmel, waren Kind,
16
Die auch, die der Fluch getroffen;
17
Ach! so such' ein Kind geschwind,
18
Lehr' es glauben, lieben, hoffen.
19
Die im Himmel, waren Kind!
20
Wer dies einmal je empfunden,
21
Ist den Kindern durch das Jesukind verbunden!

22
Welche Würde trägt ein Kind!
23
Sprach das Wort doch selbst die Worte:
24
»die nicht wie die Kinder sind,
25
Gehn nicht ein zur Himmelspforte.«
26
Welche Würde trägt ein Kind!
27
Wer dies einmal je empfunden,
28
Ist den Kindern durch das Jesukind verbunden!

29
O wie heilig ist ein Kind!
30
Nach dem Wort von Gottes Sohne
31
Aller Kinder Engel sind
32
Wachend vor des Vaters Throne.
33
O wie heilig ist ein Kind!
34
Wer dies einmal je empfunden,
35
Ist den Kindern durch das Jesukind verbunden!

36
Welch ein Bote ist ein Kind!
37
Denn das Wort, das es erquicket,
38
Bis zum Himmelsgarten rinnt,
39
Wo das Wort ward ausgeschicket,
40
Welch ein Bote ist ein Kind!
41
Wer dies einmal je empfunden,
42
Ist den Kindern durch das Jesukind verbunden!

43
Willst du segnen, lehr' ein Kind!
44
Aus dem Körnlein werden Ähren;
45
Wie dein Körnlein war gesinnt,
46
Wird einst eine Welt sich nähren.
47
Willst du segnen, lehr' ein Kind!
48
Wer dies einmal je empfunden,
49
Ist den Kindern durch das Jesukind verbunden!

50
In der Krippe lag ein Kind!
51
Ochs und Esel es verehren.
52
Wo ich je ein Kindlein find',
53
Will ich's pflegen, lieben, lehren.
54
In der Krippe lag ein Kind!
55
Wer dies einmal je empfunden,
56
Ist den Kindern durch das Jesukind verbunden!

57
Zu mir sendet Gott das Kind,
58
Das nicht weiß, was tun, was lassen;
59
Wie ich gebend bin gesinnt,
60
Wird sein Herz die Gabe fassen.
61
Zu mir sendet Gott das Kind!
62
Wer dies einmal je empfunden,
63
Ist den Kindern durch das Jesukind verbunden!

64
Keine Blume kennt das Kind!
65
Giftige sind meistens bunter;
66
Wenn es Lust am Bunten findt,
67
Ißt's die Frucht und gehet unter.
68
Keine Blume kennt das Kind!
69
Wer dies einmal je empfunden,
70
Ist den Kindern durch das Jesukind verbunden!

71
O was soll ein schwaches Kind!
72
Höll' und Himmel stehen offen;
73
Daß das Lamm dem Wolf entrinnt,
74
Hat es mich wohl angetroffen.
75
O was soll ein schwaches Kind!
76
Wer dies einmal je empfunden,
77
Ist den Kindern durch das Jesukind verbunden!

78
Wie so leicht lehrt sich ein Kind!
79
Ob zum Guten, ob zum Bösen,
80
Wie den Schlüssel es gewinnt,
81
Wird sich ihm das Rätsel lösen.
82
Wie so leicht lehrt sich ein Kind!
83
Wer dies einmal je empfunden,
84
Ist den Kindern durch das Jesukind verbunden!

85
Wie gar fleißig ist ein Kind!
86
So wie du es lehrest lesen,
87
In dem Buch, in dem wir sind,
88
Wird das Buch zu seinem Wesen.
89
Wie gar fleißig ist ein Kind!
90
Wer dies einmal je empfunden,
91
Ist den Kindern durch das Jesukind verbunden!

92
Wie gar folgsam ist ein Kind!
93
Daß es sich ein Krönlein winde,
94
Daß es selbst sich Ruten bind',
95
Lehrest du gewiß dem Kinde.
96
Wie gar folgsam ist ein Kind!
97
Wer dies einmal je empfunden,
98
Ist den Kindern durch das Jesukind verbunden!

99
Herr, wie lenk' ich dieses Kind!
100
An dem Faden meiner Hände
101
Geht es durch das Labyrinth,
102
Es wird wandeln wie ich's sende.
103
Herr, wie lenk' ich dieses Kind!
104
Wer dies einmal je empfunden,
105
Ist den Kindern durch das Jesukind verbunden!

106
Sei nicht bange um das Kind!
107
Laß es alles selbst verdienen.
108
Sei barmherzig, streng und lind,
109
Sei, wie Gott mit dir, mit ihnen.
110
Sei nicht bange um das Kind!
111
Wer dies einmal je empfunden,
112
Ist den Kindern durch das Jesukind verbunden!

113
Werden muß ich wie ein Kind,
114
Wenn ich will zum Vater kommen;
115
Kinder, Kinder! kommt geschwind,
116
Ich will gern sein mitgenommen.
117
Ich muß werden wie ein Kind!
118
Wer dies einmal je empfunden,
119
Ist den Kindern durch das Jesukind verbunden!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.