[ich bin aus fremdem Land gekommen]

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Clemens Brentano: [ich bin aus fremdem Land gekommen] (1818)

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Ich bin aus fremdem Land gekommen
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Ein fremder, armer, kranker Mann
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Du hast mich liebvoll aufgenommen
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Wie Jesus es und Jesu Freundin kann.

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Was du gehabt, hast du geteilet,
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Dein Brot, jed Wort aus Gottes Mund,
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Du hast geliebet und geheilet,
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Und hast geschlossen mir den neuen Bund.

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Du läßt mich fremden Mann nicht scheiden
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Du hast ihm auch den Weg gezeigt,
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Den Weg der über Lieb' und Leiden
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Zum Kreuz, und bis zur Siegeskrone steigt.

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Ich durft' dir all mein Heimweh klagen,
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Und was mich in der Fremde hält,
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Du halfst die Last mir hinzutragen,
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Zum Lamme, das da trägt die Schuld der Welt.

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Und daß ich nicht beschämet werde,
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Hast du auch deine Last bekannt,
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Saßt bei mir an der dunklen Erde
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Von der der liebe Heiland auferstand.

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Wir haben uns wohl weinen sehen,
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Und haben uns auch angelacht,
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Und wollen still den Kreuzweg gehen
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Bis wir einst sagen, Herr es ist vollbracht.

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Du wie du liebend mich geführet,
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Da sprachst du gar ein freundlich Wort
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Das hat mich durch und durch gerühret,
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Und soll mich rühren immer fort und fort.

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Du sprachst, da sind wir ja vereinet
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Ich, du und sie, ich kenn' sie gut,
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Ich weiß, wie innig sie es meinet
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Und wie sie glaubend hofft auf Jesu Blut.

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Und auch die Trösterin der Sünder,
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Die Mutter, die das Kindlein trug
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Das zu uns sprach, seid wie die Kinder,
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War da zur Seligkeit uns nah genug.

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Zusammen sind wir auch gegangen
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Vereinet zu Sankt Klemens' Grab –
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Der deinem liebenden Verlangen
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Für mich ein heil'ges liebes Kleinod gab.

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Auch an den Ölberg durft' ich gehen
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Mit dir in seines Sohns Person.
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Zum lieben Vater aufzuflehen,
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Der nichts versagt dem eingebornen Sohn.

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Und zu der Kerker Jammerhöhlen,
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Hat deine Liebe mich geführt,
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Durch dich hat mich der armen Seelen
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Betrübter hülfsbedürft'ger Stand gerührt.

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Und hin zum heil'gen Kirchenleibe
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Hin zu der Heil'gen Freudenchor,
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Hobst du, daß sie einst Blüten treibe
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Des armen Sünders dürre Hand empor.

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Auch durch die Wüste durft' ich ziehen,
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Durft' schreien nach ersehnter Frucht,
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Wo wir die Schwester sahen fliehen,
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Die wir bis jetzt vergebens aufgesucht.

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Was haben alles wir gesehen,
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Was haben alles wir geliebt,
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Und müssen auf der Erde stehen
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Die Dorn und Blumen auf die Gräber giebt.

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Doch wollen wir die Dornen wählen,
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Die Dornen, die der Heiland trug,
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Und wollen nicht die Tränen zählen,
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Um unsre Schuld sind deren nie genug.

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Und nie genug um seine Leiden,
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Und nie genug um unsre Schuld,
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Und wenn wir von einander scheiden,
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So gebe Jesus mir die göttliche Geduld.

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Geduld die heute wir verehren
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In dir du heil'ge Martyrin!
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Sankt Katharina, wir begehren
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Führ' uns zu deinem, unserm Heiland hin.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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