[o Trost in letzten Stunden]

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Clemens Brentano: [o Trost in letzten Stunden] (1817)

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O Trost in letzten Stunden
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Ihr heiligen fünf Wunden
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Die Mutter laßt gesunden
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Von Euch ja kömmt das Heil
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So fleht der Kinder Jammer
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Da klingt der Pforte Hammer
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Da naht der Schmerzenkammer
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Der Tod mit seinem Pfeil.

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Es mahnt der Schrei der Eule
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Es kracht des Hauses Säule
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Ein klagendes Geheule
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Erhebt der treue Hund
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Da fleht die Mutter leise,
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O Herr zur dunklen Reise
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Sehnt mich's nach heil'ger Speise
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Aus deinem Gnadenbund.

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Da kam der Arzt gegangen
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Die Kinder flehn mit Bangen
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Und jammerndem Verlangen
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O Herr brich unsre Not!
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Er sah mit Tränenbächen
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Der Mutter Augen brechen
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Und wagt nicht auszusprechen
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Gott helf', ich seh' den Tod.

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Da hat er Rat gefunden,
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Er sah des Heilands Wunden
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Den Trost in letzten Stunden
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Gemalet an die Wand,
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Dahin den Blick erhoben
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Zeigt ruhig er nach oben
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Und spricht, die Hand da droben
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Die hilft, die Gotteshand.

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Ich selbst kann hier nichts geben,
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Den Wein sucht bei den Reben
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Das Leben bei dem Leben
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In Heilands Heilhand Heil,
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Zu diesem Arzte tretet
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Er sieht euch so ihr betet.
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Und als er so geredet
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Verließ er sie in Eil.

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Und als er so geschieden,
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All andre Hülfe mieden
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Die Kinder fromm zufrieden,
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Sie folgten seinem Rat,
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Denn von dem Trost belebet
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Das Haupt die Mutter hebet
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Und spricht, ihr Lieben gebet
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Was er geordnet hat.

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Es kehrt nach zweien Tagen
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Der Arzt mit mildem Zagen
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Den Kindern nachzufragen
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In dieses fromme Haus,
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Da hört er Lieder klingen
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Und feierlich lobsingen,
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Und dachte, ach sie bringen
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Die Leiche nun heraus.

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Sein Herz wollt' Gott da lenken,
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Die Waisen zu bedenken,
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Den Kleinen will er schenken
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Als Vater sich zur Stund
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Und sah ins Haus gegangen
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Am Hals der Mutter hangen
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Die Kinder, sie lobsangen,
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Die Mutter war gesund.

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Sie eilten ihm entgegen
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Und riefen: Gottessegen
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Auf allen deinen Wegen
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Sei treuer Arzt dein Teil
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Du sprachst ich kann nichts geben,
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Den Wein sucht bei den Reben
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Das Leben bei dem Leben
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In Heilands Heilhand Heil.

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Den Becher hielt der Glaube
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Die Hoffnung preßt die Traube
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Lieb' warf vom Farbenstaube
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Der Heilandshand hinein
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Schau auf nach den fünf Wunden
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Die eine ist verschwunden
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Es trank sie, zu gesunden
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Die Mutter in dem Wein.

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Da sah der Arzt das Wunder
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Da ging sein Wissen unter
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Da ward sein Glauben munter
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Er hob das edle Haupt
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Und sprach, in den fünf Wunden
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Hab' ich die Kunst gefunden
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Heran, wer will gesunden,
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Heil, heilig wird, wer glaubt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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