[durch den Wald mit raschen Schritten]

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Clemens Brentano: [durch den Wald mit raschen Schritten] (1817)

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Durch den Wald mit raschen Schritten
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Trage ich die Laute hin,
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Liebe singt, was Leid gelitten
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Schweres Herz hat leichten Sinn.

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Durch die Büsche muß ich dringen
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Nieder zu dem Felsenborn
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Und es schlingen sich mit Klingen
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Durch die Saiten Ros' und Dorn.

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In der Wildnis wild Gewässer
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Breche ich mir kühne Bahn
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Steig' ich aufwärts in die Schlösser
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Schaun sie mich befreundet an.

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Haus' ich nächtlich in Kapellen
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Stört sich kein Gespenst an mir
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Weil sich Wandrer gern gesellen,
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Denn auch ich bin nicht von hier.

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Seh' ich Wunderschätze glimmen
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Locket bald durch Sumpf und Moor
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Mich der Irrwisch hin und stimmen
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Muß mein Lautenschlag dem Chor.

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Zu der Gnomen Hochzeitfeier
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Zu der Elfen luft'gem Tanz
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Tönet meine ernste Leier
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Unerschreckt im Mondenglanz.

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In den Schoß der Wunderberge
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In der Zauberfräulein Haus
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Führen mich die schlauen Zwerge
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Und ich singe ohne Graus.

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Geister reichen mir den Becher
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Reichen mir die kalte Hand,
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Denn ich bin ein kühner Zecher
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Scheue nicht den glühen Rand.

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Ja beim Mahl zur bösen Stunde
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Leert' den Becher ich mit Faust,
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Wo berührt vom Satansmunde
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Höllenglut im Weine braust.

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Alles ist mir schon geschehen
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Meine Schale ist erfüllt,
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Seit ich selber mich gesehen
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Hab' das Antlitz ich verhüllt.

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Zu der Mainacht Hexenreihen
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Spiel' ich nun ein geistlich Lied,
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Daß die Schar mit Maledeien
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Vor dem fremden Sänger flieht.

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In Frau Venus' Berg die Leier
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Hab' mit Keuschlamm ich geschmückt
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Und sie hat mich ohne Schleier
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An die volle Lust gedrückt.

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Doch sie konnte mich nicht rühren
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Sie vergieng in frommer Scham
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Ließ sich leicht von mir verführen,
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Daß sie einen Schleier nahm.

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Die Sirene in den Wogen,
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Hätt' sie mich im Wasserschloß
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Gäbe, den sie hingezogen
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Gern den Fischer wieder los.

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Wo der Schwan im Wellenspiegel
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In sein Sternbild niedertaucht
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Bricht der Schmerz auch mir das Siegel
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Daß mein Leid im Liede haucht.

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Meinen weißen Hirsch verloren
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Hab' ich mit dem Goldgeweih.
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Die in ihn war eingeboren
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Starb mit ihm die schöne Fei.

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Weh mich hatte die Meduse
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Mit dem Schlangenblick versteint
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Und seitdem hat meine Muse
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Nicht gelachet nicht geweint.

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Doch mit scharfen Wünschelruten
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Schlug ihr Amor ins Gesicht,
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Daß ihr aus in Tränenfluten
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Die versteinte Seele bricht.

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Bittre Meere um mich rannen
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Und wie auch die Phantasie
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Mochte bunte Segel spannen,
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Nie ach nie! erschifft' ich Sie!

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Und nun kehre ich von Thule
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Fand da auf des Meeres Grund
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Einen Becher, meine Buhle
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Trinkt sich nur aus ihm gesund.

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Füllet euch ihr ew'gen Tage
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Mond und Sonne steigt und sinkt
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Dürstend ich den Becher trage,
84
Und sie fehlt die aus ihm trinkt.

85
Suchend geh' ich durchs Gedränge
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Und die Schuldner mahnen mich
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Und ich singe viel Gesänge,
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Doch im Herzen weine ich.

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Wo die Schätze sind begraben
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Weiß ich wohl, Geduld, Geduld
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Einer schwebt am Kreuz erhaben,
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Der bezahlet meine Schuld.

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Während ich dies Lied gesungen
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Nahet sich des Waldes Rand
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Aus des Laubes Dämmerungen
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Trete ich ins offne Land.

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Aus der Eichen zu den Mirten
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Aus der Laube in das Zelt
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Hat der Jäger sich dem Hirten
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Flöte sich dem Horn gesellt.

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Während du die Lämmer hütest
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Zähm' ich dir des Wolfes Wut
103
Wenn du fromm die Hände bietest
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Werd' ich deines Herdes Glut.

105
Und willst du die Arme schlingen
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Um ein Liebchen zwei und zwei,
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Will ich dir den Baum schon zwingen
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Daß er eine Laube sei.

109
Du kannst Kränze schlingen, singen
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Schnitzen, spitzen Pfeile süß
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Ich kann ringen klingen schwingen
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Schlank und blank den Jägerspieß.

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Gieb die Pfeile nimm den Bogen
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Mir ist's Ernst und dir ist's Scherz
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Hab die Sehne ich gezogen,
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Du gezielt, dann trifft's ins Herz.

117
Wild getan, wie stolz gesprochen
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Weh der Pfeil flog seine Bahn
119
Hat des Lammes Herz durchstochen
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Drohend sah der Hirt mich an.

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Dorn ward da die Rosenkrone
122
Um sein göttlich mildes Haupt:
123
Vater! rief er, ihn verschone,
124
Denn er hat an mich geglaubt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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