[die Rose blüht]

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Clemens Brentano: [die Rose blüht] (1811)

1
Die Rose blüht; schloß gleich ein rauher Wind,
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Als sie der goldnen Imme sich erschlossen,
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Der Liebe arglos offnen Kelch geschwind,
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Hat doch der Haß nicht Gift hineingegossen!
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Sie schloß gleich einem bangen, zarten Kind
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Die Augen, bis die Zornflut abgeflossen;
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Vielleicht schloß sie in brünstigem Verlangen
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Sich nur so schnell, die Biene einzufangen?

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Die Rose blüht, die Biene ist entflohn,
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Aufs neue muß sie mit den Frühlingsglocken
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Des Zornes Stachel führnden, goldnen Sohn
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In ihres Duftes keuschen Busen locken;
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Ihr süß'ster Tau, kehrt er, wird ihm zum Lohn;
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O kehr, mein Bienlein, sei nicht so erschrocken!
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Zum Garten sieht mein Fenster, dorten wohn' ich.
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Komm, liebe Imme, sammle Wachs und Honig!

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Die Rose blüht; wenn alle Vöglein schlafen,
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Wenn nieder hintern Wald die Sonne flieht,
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Wenn treu der Mond mit seinen Wolkenschafen
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An deiner Rose Stand vorüberzieht,
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Zur Stunde, als Imeldens Töne trafen
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Ein liebes Herz durch ein unschuldig Lied,
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Da will am Fenster nieder zu dem Garten
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Die Rose auf die fromme Biene warten.

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Die Rose blüht; o fliehe, Licht der Sonnen,
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O führe, Mond, die Sternenherde bald
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Zum stillen, vollen, goldnen Mondesbronnen,
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Streu aus den sichren Schatten, dunkler Wald,
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Und bleiche, Mond, was Liebe hat gesponnen!
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Doch mit Musik, die anderswo erschallt,
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Mag Amor all die Schmetterlinge irren,
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Die lauschend gern die Rose dir umschwirren.

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Die Rose blüht, der Zorn ist voll Verderben!
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Wer, Zorn, gerät in deine finstre Haft,
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Der mordet, martert, tötet ohne Sterben
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Und hat der bittren Hölle Eigenschaft!
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O Liebe, wer die Einsicht dürft' erwerben
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Von deiner Gottestiefe Wunderkraft!
39
O Liebe, wer, ein Tröpflein, sich verlöre
40
In deines Segens weltumspielndem Meere!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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