[sieh den dunklen Schleier]

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Clemens Brentano: [sieh den dunklen Schleier] (1811)

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Sieh den dunklen Schleier der Nacht,
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Wie er sich hernieder senket,
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Da des Wagens schimmernde Pracht
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Phöbus nun hinab gelenket.
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Sehnsucht führet die Geliebten
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Auf des Mondes Zauberpfad,
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Wo sie gestern Scherze übten,
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Zu des Seees Glanzgestad.

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Sieh, den dunklen Schleier der Nacht,
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Immer näher aus der Ferne,
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Sticken nun mit lachender Pracht
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Die geliebten Heldensterne!
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Einer aber ist geschweifet,
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Er ist heftig und ist mutig,
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Und den Mond er peitschend greifet,
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Und der blasse Mond wird blutig!

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Sieh, des Monds zerschmettertes Schild
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In ein rotes Feld sich kehrte,
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Und des Wappens gläubiges Schild
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Schmückt der Stern mit einem Schwerte.
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Benavides, deinem Stamme
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Ist der Glanz nun angefacht!
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Aber sieh, des Schwertes Flamme
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Weichet und es kehrt die Nacht!

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Sieh, ein feuriger Regen fällt,
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Und es schwebt, gleich einem Sarge
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Über der zornumfluteten Welt
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Jetzt die gottgebaute Arche!
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Und es fliegt der dunkle Rabe,
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Kehret hoffnungslos zurück,
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Aber mit der Friedensgabe
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Sieht die Taube Sonnenblick!

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Und es spannt der Bogen des Herrn
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Seine bunte Farbenbrücke,
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Tränen schimmern so freudig gern
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In des Auges Sonnenblicke.
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Wie der Hals der Taube schimmert,
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Locket eines Habichts Wut,
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Ach, der Fried', wird der zertrümmert,
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Taube, du wirst Opferblut!

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Wohl uns! überm Habicht kreist
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Nun ein Falke, doch zu leise,
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Denn der Habicht stürzend zerreißt
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Weh! die Taube sich zur Speise.
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Falke, lieber Falke, stürze
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Auf den Habicht, daß ihr Weh
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Rächend wenigstens sich kürze,
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Daß ich tot den Mörder seh!

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Habicht wird zum blutigen Schild,
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Unter ihm die arme Taube,
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Aber der Falke steiget zum Wild
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Über des Wappens geharnischte Haube,
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Und der Falke wird zum Schwerte
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Das sich flammend abwärts kehrt,
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Daß der Traum erfüllet werde,
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Nieder in dein Herzschild fährt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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