Lied von eines Studenten Ankunft in Heidelberg und seinem Traum auf der Brücke; worin ein schöner Dialogus zwischen Frau Pallas und Karl Theodor

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Clemens Brentano: Lied von eines Studenten Ankunft in Heidelberg und seinem Traum auf der Brücke; worin ein schöner Dialogus zwischen Frau Pallas und Karl Theodor (1806)

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Im achtzehnhundertsechsten Jahr
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Der sechsundzwanzigst' Juli war,
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Für mich ein schöner Reisetag,
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Mein Bündlein leichter auf mir lag,
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Ein Säbel oben drüber hieng,
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Ganz froh ich durch die Bergstraß' gieng.
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Und sah mich ganz vergnüget um
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In Gottes Welt, dem Heiligtum,
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Die Berge rechts mit Wein begrenzt,
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Die Ebne links wie Gold erglänzt,
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Von mancherlei Frucht und Getreid',
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Darin viel schwäb'sche Schnittersleut',
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Die Sonn' sank nieder überm Rhein,
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Gab Himmel und Erd' ein' schönen Schein,
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Die Wölklein, die am Himmel schwammen,
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Die zogen gülden sich zusammen,
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Ein warmer Regen goß herab,
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Den wart' ich unterm Nußbaum ab,
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Ein Bäuerlein trat auch darunter,
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Und grüßt' mich da ganz froh und munter:
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»ein' guten Abend, ein' gute Zeit,
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Wohin geht noch die Reise heut'?«
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»nach Heidelberg, bin ein Student,
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Von Jena komm' ich hergerennt,
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Die Sonn' sich neigt, hab' ich noch weit?«
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Der Landmann sprach: »Nehm' er sich Zeit,
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Ein' kleine Stund', dort um die Eck',
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Da schaut es ihm entgegen keck.«
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Da bot ich ihm ein' gute Nacht
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Und hab' mich auf den Weg gemacht,
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Und da ich um die Ecke bog,
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Ein kühl Lüftlein mir entgegen zog,
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Der Neckar rauscht aus grünen Hallen
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Und giebt am Fels ein freudig Schallen,
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Die Stadt streckt sich den Fluß hinunter,
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Mit viel Geräusch und lärmt ganz munter,
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Und drüber an grüner Berge Brust,
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Ruht groß das Schloß und sieht die Lust,
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Und da ich auf zum Himmel schaut',
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Sah ich ein Gottes Werk gebaut,
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Vom Königstuhl zum heil'gen Berges Rücken
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Sah ich gesprengt eine goldne Brücken,
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Sah ich gewölbt des Friedens Regenbogen,
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Und sah ihn wieder in Flusses Wogen.
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Da war er doch nicht also klar,
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Der wilde Fluß zerriß ihn gar,
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Gab mir so recht ein Beispiel breit
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Von Gottes Fried', und Menschenstreit,
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Und wie ich denk' und seh' in Fluß,
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Da fällt ein schwerer Kanonenschuß,
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Frau Echo murrt im Tal noch lang,
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Da hebt sich aber ein froher Klang,
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In allen Türmen die Glocken schwanken,
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Beginnen ein hell harmonisch Zanken,
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Da war mein Herz mir ganz bewegt,
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All Bangigkeit ich von mir legt,
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Den Sinn in freud'gen Ernst gestellt
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War mir's beinah als einem Held,
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Tat auch den Säbel um mich schnallen,
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Ein Epheukranz vom Hut ließ wallen,
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Und grüßte froh die werte Stadt,
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Die mein Ahnherr
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Mir war, als wär' das Läuten und Schießen,
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Für mich ein freudiges Begrüßen,
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Mein Herz auch ganz in Jugend sprang,
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Und erzittert' im hellen Glockenklang,
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Da eilt' ich schnell, sah nicht zurück,
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Bis auf die kühne Neckarbrück',
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Dragoner fragten sehr höflich
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Um meinen Stand und Namen mich.
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»opitz von Boberfeld, Student,«
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– Passiert – ich macht' ein Kompliment,
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Und auf der Brücken, die fest und rein,
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Sah ich zwei künstlich Bild von Stein,
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Frau Pallas schaut' ernst ins grüne Tal,
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Mit vier Fakultäten allzumal,
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Ich tat sie höflich salutieren
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Und meinen Säbel präsentieren,
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Steckt' ihn doch wieder ein gar schnell,
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Als ein bescheidener Gesell
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Beim zweiten Bild, gleich an dem Tor,
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Dem verstorbnen Fürst, Karl Theodor.
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Mein Bündel legt' ich ab im Hecht,
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Der Wirt, der Kellner und Hausknecht
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Erquickten mich auf alle Weis'
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Mit Wasser, Wein und guter Speis'.
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Nach Tisch konnt' ich nicht sitzen bleiben,
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Wollt' mich noch durch die Stadt rumtreiben,
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Es fiel ein heller Mondenschein
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Gar lockend in die Straßen ein;
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Viel Volks sah ich herummerschweifen,
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Den einen singen, den andern pfeifen,
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Viel Jungfern, sich in Arm gehängt,
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Kamen da auf und abgeschwenkt,
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Auf einmal geht es an ein Laufen,
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Sie rennen sich gar übern Haufen,
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Stehn auf und hören's gar nicht an,
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Spricht einer: »Hab's nicht gern getan.«
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Einen Trompeter hört man blasen,
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Musik sticht ihnen in die Nasen,
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Da lauf' ich immer hintendrein,
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Bis zu dem Mitteltor hinein.
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Da steht gedrückt ein großer Klumpen
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Von Mägd' und Knechten, die sich stumpen,
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Ein' lebend'ge Schanz, von Leuten dick,
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Drückt rings sich um die Nachtmusik.
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Am Wachthaus schleich' ich mich heran,
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Und komm' auf einen weiten Plan,
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Da war mir's wohl, da hört' ich's schallen,
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Von hohen Häusern widerhallen,
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Oben über eine andre Welt,
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Grüne Berge rings herum gestellt,
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Fagott und Flöt' und Klarinetten
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Beginnen da ein lieblich Wetten,
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Die süßen Pfeifen drumher schleifen,
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Trompeten scharf in die Nacht eingreifen,
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Waldhorn bald fern, bald nahe ruft,
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Musik schwamm selig in Sommerluft.
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Auf einer Bank ich niedersaß,
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Und in den Melodeien las,
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Da hob sich an ein' Melodei
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Gar ernst von aller Weltlust frei,
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Dann spielten, sie was Lust'ges auf,
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Doch gab ich nicht recht acht darauf,
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Denn zu mir auf die Bank sich setzten
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Zwei Ehrenleut', die freundlich schwätzten,
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Die Frau sprach: »Leg' mir's deutlich aus,
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Wo will's mit all dem Jubel 'naus,
129
Was soll das Schießen und das Läuten,
130
Und wiedrum die Musik bedeuten?«
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Der Mann sprach: »Morgen wirst erst fragen,
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Wenn ich werd' einen Degen tragen,
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Und den bordierten Federhut,
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Dann, Alte, sei auf deiner Hut.
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Das heißt's nicht viel: ergebner Diener,
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Da heißt's: reich mir den Karabiner,
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Patrontasch' her, und Pulver und Blei,
138
Da bricht der Hausfried' leicht entzwei.«
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Die Frau sprach: »Ist's der Hausfried' nur,
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So ist mir's eine leichte Schur,
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Und zankst du gleich, freut's mich doch sehr,
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Wenn's heißt: Achtung, präsentiert's Gewehr.
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's giebt wieder Huldigung, nicht wahr?«
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Der Mann sprach: »Ei, warum nicht gar,
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Es ist ein frommes Freudenfest,
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Denn unser Herr ist krank gewest,
147
Sehr krank und ist wiedrum genesen,
148
Ich hab's in Zeitungen gelesen.«
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Die Frau sprach: »Hätten wir's recht gewußt,
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Das Fest macht' uns wohl doppelt Lust,
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Hätten wir gebetet mit unsern Kleinen,
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Wir würden jetzt vor Freuden weinen.«
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Der Mann sprach: »Das ist so ein' Sach',
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Wenn man ihr denkt recht ernstlich nach,
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Man glaubt schier, 's gieng ein'm gar nichts an,
156
Man sei halt so der Untertan.
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's ist grad, wie mit der Religion,
158
Der Pfarrer spricht zwar viel davon,
159
Doch gieng's ein'm nicht im Innern auf,
160
Man käm' sein Lebtag nicht darauf.«
161
Die Frau sprach: »Hör', welch lust'ger Tanz!
162
Vor war die Musik ernsthaft ganz.«
163
Der Mann sprach: »
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Die Frau sprach: »
165
Der Mann sprach: »Komm, es schlägt schon zehn,
166
Du mußt noch mein' Montur nachsehn,
167
Ans Licht wolln wir den Rock recht halten,
168
So fliehn die Motten aus den Falten;«
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Die Frau sprach: »keine sind darein,
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Ich streut' ihn dir mit Pfeffer ein;«
171
Der Mann sprach: »ach, da werd' ich nießen,
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Das wird den Kapitän verdrießen,
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Wenn's ganze Corps wird Prosit sagen;«
174
Die Frau sprach: »'s kann sich wohl vertragen,
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Ein gesegne's Gott, ein herzlich Nießen,
176
Ist ja ein Vivat, ein Freudenschießen.
177
Nun komm, der Abend ist schön verflossen,
178
Dann giengen heim die Ehrenleut',
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Gott geb' ihn'n in den Kindern Freud'!
180
Auch ich sagt' der Musik gut' Nacht,
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Und hab' mich auf den Weg gemacht;
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Manch Bierhaus da noch offen stand,
183
Sie sangen, als gieng's fürs Vaterland,
184
Auch hört' ich seltsam Disputieren
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Von zweien alten Bürgern führen.
186
Der ein' sprach: »Ja die Hosen hier
187
Behalt' ich an, das glaub' du mir,
188
In runden Stiefeln werd' ich gehn;«
189
Der andre sprach: »Das wolln wir sehn,
190
Wolln sehn, wer zu befehlen hat.
191
Du beschimpfst das Corps, beschimpfst die Stadt.«
192
Der erst' sprach: »Ei, was Stadt, was Corps!
193
Geb' ich kein roten Heller vor.«
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Der zweit' sprach da in großem Zorn:
195
»steifstiefel, gelbe Hosen und Sporn,
196
Also mußt du dich stellen ein,
197
Wir wollen sehn, wer Herr wird sein.«
198
Der erst' sprach wieder: »Ja, Ja, Ja,
199
Nicht anders, diese Hosen da,
200
Und meine runden halben Stiefeln.«
201
Der zweite: »Ich will dich schon zwiefeln,
202
Du kömmst, wie beim Karl Theodor,
203
Beim Grundstein an dem neuen Tor.«
204
Der erst' sprach: »Morgen wirst du's sehn,
205
Wir wollen jetzt nur schlafen gehn.«
206
Der zweit': »Geschieht's, glaub' sicherlich,
207
So richt' ich ein' Kanon' auf dich.«
208
Da lachten beid', ich auch dazu,
209
Und gieng auf meine Herberg zu. –
210
Und wie ich gen die Brücke schaut,
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Hört' ich den Neckar rauschen laut,
212
Der Mond schien hell zum Tor herein,
213
Die feste Brück' gab klaren Schein,
214
Und hinten an der grüne Berg!
215
Ich gieng noch nicht in mein' Herberg,
216
Der Mond, der Berg, das Flußgebraus
217
Lockt' mich noch auf die Brück' hinaus.
218
Da war so klar und tief die Welt,
219
So himmelhoch das Sterngezelt,
220
So ernstlichdenkend schaut das Schloß,
221
Und dunkel, still das Tal sich schloß,
222
Und ums Gestein erbraust der Fluß,
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Ein Spiegel all dem Überfluß,
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Er nimmt gen Abend seinen Lauf,
225
Da tut das Land sich herrlich auf,
226
Da wandelt fest und unverwandt
227
Der heil'ge Rhein ums Vaterland,
228
Und wie ans Vaterland ich dacht'
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Das Herz mir weint, das Herz mir lacht',
230
Setzt' nieder mich auf einen Stein,
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Als wär ich auf der Erd' allein,
232
Das steinen Bild von Frau Minerven
233
Tat zu mir her ein'n Schatten werfen,
234
Ich sah den Helm, ich sah den Speer,
235
Die Augen waren müd und schwer,
236
Recht innerlich geheim mein Denken,
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Ein Schlummer tät sich niedersenken,
238
Der Mond hinter ein Wölklein trat,
239
Ein Traum mich auch umgeben hat,
240
Ein' seltsam Zwiesprach' ich vernimm,
241
Karl Theodors Bild erhebt die Stimm.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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