Der Jäger an den Hirten

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Clemens Brentano: Der Jäger an den Hirten (1803)

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Durch den Wald mit raschen Schritten
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Trage ich die Laute hin,
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Freude singt, was Leid gelitten,
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Schweres Herz hat leichten Sinn.

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Durch die Büsche muß ich dringen
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Nieder zu dem Felsenborn,
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Und es schlingen sich mit Klingen
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In die Saiten Ros' und Dorn.

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In der Wildnis wild Gewässer
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Breche ich mir kühne Bahn,
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Klimm' ich aufwärts in die Schlösser,
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Schaun sie mich befreundet an.

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Weil ich alles Leben ehre,
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Scheuen mich die Geister nicht,
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Und ich spring' durch ihre Chöre
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Wie ein irrend Zauberlicht.

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Haus' ich nächtlich in Kapellen
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Stört sich kein Gespenst an mir,
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Weil sich Wandrer gern gesellen,
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Denn auch ich bin nicht von hier.

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Geister reichen mir den Becher,
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Reichen mir die kalte Hand,
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Denn ich bin ein frommer Zecher,
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Scheue nicht den glühen Rand.

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Die Sirene in den Wogen,
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Hätt' sie mich im Wasserschloß,
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Gäbe, den sie hingezogen,
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Gern den Fischer wieder los.

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Aber ich muß fort nach Thule,
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Suchen auf des Meeres Grund
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Einen Becher, meine Buhle
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Trinkt sich nur aus ihm gesund.

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Wo die Schätze sind begraben
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Weiß ich längst, Geduld, Geduld,
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Alle Schätze werd' ich haben
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Zu bezahlen alle Schuld.

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Während ich dies Lied gesungen,
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Nahet sich des Waldes Rand,
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Aus des Laubes Dämmerungen
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Trete ich ins offne Land.

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Aus den Eichen zu den Myrten,
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Aus der Laube in das Zelt,
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Hat der Jäger sich dem Hirten,
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Flöte sich dem Horn gesellt.

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Daß du leicht die Lämmer hütest
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Zähm' ich dir des Wolfes Wut,
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Weil du fromm die Hände bietest,
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Werd' ich deines Herdes Glut.

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Und willst du die Arme schlingen
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Um dein Liebchen zwei und zwei,
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Will ich dir den Fels schon zwingen,
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Daß er eine Laube sei.

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Du kannst Kränze schlingen, singen,
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Schnitzen, spitzen Pfeile süß,
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Ich kann ringen, klingen, schwingen
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Schlank und blank den Jägerspieß.

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Gieb die Pfeile, nimm den Bogen,
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Mir ist's Ernst und dir ist's Scherz,
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Hab' die Senne ich gezogen
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Du gezielt, so trifft's ins Herz.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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