[es stehet im Abendglanze] [1]

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Clemens Brentano: [es stehet im Abendglanze] [1] (1810)

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Es stehet im Abendglanze
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Ein hochgeweihtes Haus,
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Da sehen mit schimmernden Augen
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Viel Knaben und Jungfraun heraus.

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Sie wechslen mit Weinen und Lachen,
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Sie wechslen mit Dunkel und Hell,
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Mit schimmernden Augen und Wangen
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Sie wechslen ihre Röcklein gar schnell! –

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Dort hab' ich mein Liebchen gesehen
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Ein freundliches zierliches Kind;
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Sie konnte wohl schweben und drehen
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Wie fallende Blüten im Wind.

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Und die in dem Hause dort wohnen
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Sind heilig und wissen es nicht,
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Sie spielen mit Kränzen und Kronen
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Alltäglich ein neues Gedicht.

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Sie sind gleich den Göttern und handlen
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Alltäglich in andrer Gestalt,
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Mein Liebchen wird auch sich verwandlen
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Das tut meinem Herzen Gewalt.

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O Liebchen wo bist du geblieben?
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Ich steh' vor dem schimmernden Haus,
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Und will dich bescheiden nur lieben
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O Liebchen, o sehe heraus!

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Ich will dein pflegen und warten
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Im Herzen so treu als ich kann,
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Da seh' ich sie sitzen im Garten
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Wohl bei einem reichen Mann.

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So kauf' ich mir Harke und Spaten,
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Bind' mir ein grün Schürzelein vor.
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Ich stell' mich als wär ich der Gärtner
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Und klopf' bei dem Reichen ans Tor.

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Tu auf, o Reicher den Garten,
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Ich will dir so gern ohne Sold
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Die Blumen all pflegen und warten
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Sie sind ja mein Silber und Gold.

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So sei mir o Gärtner willkommen,
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Zieh höher die Rosenwand mir.
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Verflecht sie zu Netzen und Schlingen,
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Ich habe ein Vögelchen hier.

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Zieh höher und dicht mir die Laube,
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Zieh mir ein gitternes Haus,
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Daß keiner das Vögelchen raube,
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Daß es nicht fliege heraus.

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Da klinget so herzlich und süße
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Im Garten ein inniges Lied,
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Die Bäume sie senden ihr Grüße,
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Die Blume lauschend ihr blüht.

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Da seh' ich mein Liebchen so weinen,
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Sie sieht zu mir heimlich herauf.
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Die Sonne will nicht mehr scheinen,
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Die Blumen sie gehen nicht auf.

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So hast du dann es verlassen
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Das schimmernde Götterhaus,
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Deiner Locken Gold wird blassen,
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Deiner Augen Licht gehet aus.

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O Liebchen, o sei nicht so munter
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Du hast vergeudet dein Los;
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Dein Sternlein, es gehet ja unter
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Tief in des Meeres Schoß.

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Ans Meer will ich und stehen
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Still in dem Abendschein,
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Da muß in den Wellen ich sehen
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Versinken dein Sternelein.

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Im Niedersehen da rollen
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Die Tränen still hinab,
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Die sich vereinen wollen
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Mit deines Sternes Grab.

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Dies Lied hab' ich ersonnen
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Wohl vor jenem Zauberhaus,
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Das glänzt in der Abendsonne,
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Wo du nicht mehr siehst heraus.

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Als Jugend um Liebe brennte
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In irrem Liebeswahn,
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Da wolltest du ihn nicht erkennen
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Die hell mich blickte an.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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