Von Köllen war ein Edelknecht

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Clemens Brentano: Von Köllen war ein Edelknecht Titel entspricht 1. Vers(1810)

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Von Köllen war ein Edelknecht
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Um Kundschaft ausgegangen
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Sein Vater lag durch Engelbrecht
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Den Bischof hart gefangen.

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Er sucht durchs Land wohl manchen Tag
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Er sucht in schweren Sorgen,
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Sein Liebchen ihm im Sinne lag,
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Der hätt' er es verborgen.

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Gar traurig er am Bronnen lag
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In Busch und grünen Hecken,
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Da hört er schallen Hufesschlag,
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Und eilt sich zu verstecken.

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Er sah wohl einen frohen Mann
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Zum Born sein Rößlein lenken
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Ein andrer ritt betrübt heran,
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Der tät die Augen senken.

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O froher Mann der eine sprach
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Was mag dich nur erfreuen
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Betrübter Mann der Frohe sprach
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Gott woll' dir Trost verleihen.

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Herr Gottschalk der getreue Mann
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Geht frei in unsren Landen
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Durch wunderbare Hülf' entrann
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Er aus des Bischofs Banden.

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Er hatte eine kleine Maus
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Im Kerker zahm gezogen,
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Sie gieng als Gastfreund ein und aus,
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Und war dem Herrn gewogen.

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Die harte Rinde, die sie nagt
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Tränkt er im Lampenöle
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Und wenn er Lebewohl gesagt
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Kehrt sie nach ihrer Höhle.

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Und wenn er traurig niederkniet
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Und singt den Morgensegen
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So tönt ihm auch ihr frommes Lied
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Aus ihrem Haus entgegen.

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Doch einst sein treuer Freund entlief
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Und wollte nicht mehr kehren
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Und wie Herr Gottschalk lockt' und rief,
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Das Mäuslein wollt' nicht hören.

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Bei Mittagsbrot und Abendbrot
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Blieb unbenagt die Rinde:
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Er grub nach ihr, ob mausetot,
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Er wohl die Treue finde.

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Und in der Erde eingescharrt
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Fand Meißel er und Feilen,
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Womit er seine Bande hart
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Gar leichtlich konnt' zerteilen.

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Nun geht er frei, der fromme Mann
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Und wird sein Schwert bald rühren,
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Ihm schließen sich die Freunde an,
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Das soll der Bischof spüren.

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Der andre sprach mein Schwesterlein,
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Das liegt gar hart gefangen
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Und selbst das treue Mäuslein dein
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Könnt' nicht zu ihr gelangen.

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Der falsche Knecht, die Liebe brach
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In ihres Herzens Kammer,
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Ihm stiegen die Gesellen nach
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Das Leid und böser Jammer.

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Ein Freund des Bischofs sie belog
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Herr Herrmann sei erschlagen
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Der heimlich gegen Arle zog,
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Den Vater zu erfragen.

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Da gieng ihr alle Hoffnung aus
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Die Schmerzen sie bezwangen
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Und legten in ein festes Haus
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Auf ewig sie gefangen.

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Des Schlosses Dach ist himmelblau,
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Die Mauren grüne Wellen,
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Die Graben breit, sind Flur und Au
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Die Fenster Flüss' und Quellen.

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Am Fels, wo wild der Rhein zerschellt
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Wo bös die Schiffe stranden,
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Dort ewig sie gefangen hält
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Der Schlund in kühlen Banden.

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Da sprach zu ihm der frohe Mann,
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Laß uns zu Gottschalk reiten,
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Da treffen wir den Sohn auch an,
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Den Bischof zu bestreiten.

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Und da sie aus dem Walde schon
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Trat wieder zu der Quelle
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Herrmann des frommen Gottschalk Sohn
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Der traurige Geselle.

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Streit' wohl, streit' wohl, o Vater mein,
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Streit wohl, und stirb in Ehren,
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Ich hab' verloren das Mäuslein mein,
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Es will mir nicht mehr kehren.

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Mich soll wie dich o Vater mein,
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Verlorne Liebe retten,
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Mein Schwert, es muß die Feile sein
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Und lösen meine Ketten,

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Da eilt er zu dem Wasserschloß
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Wo bös die Schiffe stranden
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Und macht sich mit dem Schwerde los
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Aus seines Kerkers Banden.

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Und stürzt hinab ins kühle Haus
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Wo Liebchen liegt gefangen,
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O Liebchen breit' die Arme aus
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Ihn treulich zu empfangen.

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Und läg' gefangen im kühlen Haus
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Die mich so hart betrogen,
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Sie hätte, eh' dies Lied noch aus
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Mich auch hinabgezogen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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