[ein Fischer saß im Kahne]

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Clemens Brentano: [ein Fischer saß im Kahne] (1800)

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Ein Fischer saß im Kahne,
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Ihm war das Herz so schwer,
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Sein Liebchen war gestorben,
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Das glaubt' er nimmermehr.

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Und bis die Sternlein blinken,
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Und bis zum Mondenschein,
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Harrt er sein Lieb zu fahren
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Wohl auf dem tiefen Rhein.

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Da kömmt sie hergegangen
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Und steiget in den Kahn,
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Sie schwanket in den Knien,
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Hat nur ein Hemdlein an.

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Sie schwimmen auf den Wellen
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Hinab in tiefer Ruh',
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Da zittert sie und wanket,
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O Liebchen frierest Du?

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Dein Hemdlein spielt im Winde,
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Das Schifflein treibt so schnell;
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Hüll' dich in meinen Mantel,
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Die Nacht ist kühl und hell.

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Sie strecket nach den Bergen
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Die weißen Arme aus,
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Und freut sich, wie der Vollmond
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Aus Wolken sieht heraus.

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Und grüßt die alten Türme,
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Und will den hellen Schein,
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Mit ihren zarten Armen,
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Erfassen in dem Rhein.

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O setze dich doch nieder
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Herzallerliebste mein!
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Das Wasser treibt so schnelle
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O fall nicht in den Rhein.

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Und große Städte fliegen
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An ihrem Kahn vorbei,
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Und in den Städten klingen
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Der Glocken mancherlei.

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Da kniet das Mädchen nieder
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Und faltet seine Händ'
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Und seine hellen Augen
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Es zu dem Himmel wendt.

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Lieb Mädchen bete stille,
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Schwank' nicht so hin und her,
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Der Kahn, er möchte sinken,
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Das Wasser treibt so sehr.

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In einem Nonnenkloster
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Da singen Stimmen fein
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Und in dem Kirchenfenster
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Sieht man den Kerzenschein.

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Da singt das Mädchen helle
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Die Metten in dem Kahn,
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Und sieht dabei mit Tränen
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Den Fischerknaben an.

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Der Knabe singt mit Tränen
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Die Metten in dem Kahn,
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Und sieht dabei sein Mädchen
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Mit stummen Blicken an.

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So rot und immer röter
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Wird nun die tiefe Flut,
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Und weiß und immer weißer
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Das Mädchen werden tut.

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Der Mond ist schon zerronnen,
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Kein Sternlein mehr zu sehn,
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Und auch dem lieben Mädchen
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Die Augen schon vergehn.

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Lieb Mädchen guten Morgen!
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Lieb Mädchen gute Nacht!
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Warum willst du nun schlafen?
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Da schon die Sonn' erwacht.

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Die Türme blinken helle,
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Und froh der grüne Wald
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Von tausend bunten Stimmen
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In lautem Sang erschallt.

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Da will er sie erwecken,
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Daß sie die Freude hör',
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Er sieht zu ihr hinüber
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Und findet sie nicht mehr.

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Und legt sich in den Nachen
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Und schlummert weinend ein,
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Und treibet weiter weiter
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Bis in die See hinein.

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Die Meereswellen brausen
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Und schleudern ab und auf
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Den kleinen Fischernachen
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Der Knabe wacht nicht auf.

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Doch fahren große Schiffe
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In stiller Nacht einher,
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So sehen sie die beiden
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Im Kahne auf dem Meer.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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