An S

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Clemens Brentano: An S (1800)

1
Wie war dein Leben
2
So voller Glanz,
3
Wie war dein Morgen
4
So kindlich Lächlen,
5
Wie haben sich alle
6
Um dich geliebt,
7
Wie kam dein Abend
8
So betend zu dir,
9
Und alle beteten
10
An deinem Abend.

11
Wie bist du verstummt
12
In freundlichen Worten,
13
Und wie dein Aug' brach
14
In sehnenden Tränen,
15
Ach da schwiegen alle Worte
16
Und alle Tränen
17
Gingen mit ihr.

18
Wohl ging ich einsam,
19
Wie ich jetzt gehe,
20
Und dachte deiner,
21
Mit Liebe und Treue –
22
Da warst du noch da
23
Und sprachst lächlend:
24
Sehne dich nimmer nach mir,
25
Da der Lenz noch so freudig ist
26
Und die Sonne noch scheint –

27
Am stillen Abend,
28
Wenn die Rosen nicht mehr glühen
29
Und die Töne stumm werden,
30
Will ich bei dir sein
31
In traulicher Liebe,
32
Und dir sagen,
33
Wie mir am Tage war.

34
Aber mich schmerzte tief,
35
Daß ich so einsam sei,
36
Und vieles im Herzen.
37
O warum bist du nicht bei mir!
38
Sprach ich, und siehst mich
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Und liebst mich,
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Denn mich haben manche verschmäht,
41
Und ich vergesse nimmer,
42
Wie sie falsch waren
43
Und ich so treu und ein Kind.

44
Da lächeltest du des Kindes
45
Im einsamen Wege,
46
Und sprachst: harre zum Abend,
47
Da bist du ruhig
48
Und ich bei dir in Ruhe.

49
Dein Herz wie war es da,
50
Daß du nicht trautest,
51
Viel Schmerzen waren in dir,
52
Aber du warest größer als Schmerzen,
53
Wie die Liebe, die süßer ist,
54
Als all ihr Schmerz.

55
Und die Armut, der du gabst,
56
War all dein Trost,
57
Und die Liebe, die du freundlich
58
Anderen pflegtest,
59
War all deine Liebe.

60
Einsam ging ich nicht mehr,
61
Du warst mir begegnet
62
Und blicktest mich an –
63
Scherzend war dein Aug'
64
Und deine Lippe so tröstend –
65
Dein Herz lag gereift
66
In der liebenden Brust.

67
Freundlich sprachst du:
68
Nun ist bald Abend,
69
Gehe, vollende,
70
Daß wir dann ruhen,
71
Und sprechen vom Tage.

72
Wie ich mich wendete –
73
Ach der Weg war so schwer!
74
Langsam schritt ich,
75
Und jeder Schritt wollte wurzeln,
76
Ich wollte werden wie ein Baum,
77
All meine Arme,
78
Blüten und Blätter,
79
Sehnend dir neigen.

80
Oft blickte ich rückwärts
81
Hin, wo du warst,
82
Da lagen noch Strahlen,
83
Da war noch Sonne
84
Und die hohen Bäume glänzten
85
Im ernsten Garten,
86
Wo du gingst.

87
Ach der Abend wird nicht kommen
88
Und die Ruhe nicht,
89
Auf Erden ist keine Ruhe.

90
Nun ist es Abend,
91
Aber wo bist du?
92
Daß ich dir sage,
93
Wie der Tag war.

94
Warum hörtest du mich nicht,
95
Als du noch da warst?
96
Nun bin ich einsam,
97
Und denke deiner
98
Liebend und treu.

99
Die Sonne scheint nicht,
100
Und die Rosen glühen nicht,
101
Stumm sind die Töne –
102
O! warum kömmst du nicht,
103
Willst du nicht halten,
104
Was du versprachst?
105
Willst du nicht hören,
106
Soll ich nicht hören,
107
Wie der Tag war?

108
Wie war dein Leben,
109
So voller Glanz,
110
Wie war dein Morgen
111
So kindlich Lächlen,
112
Wie habe ich immer
113
Um dich mich geliebt,
114
Wie kömmt dein Abend
115
So betend zu mir,
116
Und wie bete ich
117
An deinem Abend.

118
Wie ist der Tag verstummt
119
In freundlichen Worten,
120
Wie ist sein Aug' gebrochen
121
In sehnenden Tränen,
122
Ach da schweigen alle meine Worte,
123
Und meine Sehnsucht zieht mit dir.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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