[als hohe in sich selbst verwandte Mächte]

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Clemens Brentano: [als hohe in sich selbst verwandte Mächte] (1800)

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Als hohe in sich selbst verwandte Mächte
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In heil'ger Ordnung bildend sich gereiht,
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Entzündete im wechslenden Geschlechte
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Die Liebe lebende Beweglichkeit,
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Und ward im Beten tiefgeheimer Nächte,
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Dem Menschen jene Fremde eingeweiht,
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Ein stilles Heimweh ist mit dir geboren,
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Hast du gleich früh den Wanderstab verloren.

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Die Töne ziehn dich hin, in sanften Wellen,
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Rauscht leis ihr Strom in Ufern von Kristall,
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Sirenen buhlen mit der Fahrt Gesellen,
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Aus Bergestiefen grüßt sie das Metall,
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Der Donner betet, ihre Segel schwellen,
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Aus Ferne ruft der ernste Widerhall;
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Die Wimpeln wehn in bunten Melodien,
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O wolltest du mit in die Fremde ziehen.

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Die Farben spannen Netze aus, und winken
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Dir mit des Aufgangs lebenstrunknem Blick,
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In ihren Strahlen Brüderschaft zu trinken.
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Am Berge weilen sie, und sehn zurück –
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Willst du nicht auch zur Heimat niedersinken?
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Denn von den Sternen dämmert dein Geschick,
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Die fremde Heimat, spricht es, zu ergründen,
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Sollst du des Lichtes Söhnen dich verbünden.

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Auch magst du leicht das Vaterland erringen,
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Hast du der Felsen hartes Herz besiegt,
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Der Marmor wird in süßem Schmerz erklingen,
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Der tot und stumm in deinem Wege liegt:
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Wenn deine Arme glühend ihn umschlingen,
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Daß er sich deinem Bilde liebend schmiegt;
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Dann führt dich gern zu jenen fremden Landen,
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Dein Gott, du selbst, aus ihm und dir erstanden.

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Dich schreckt so stiller Gang, so schwer Bemühen,
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Du sehnest dich in alle Liebe hin,
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Des Marmors kalte Lippe will nicht glühen,
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Die Farbe spottet deiner Hände Sinn,
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Die Töne singen Liebe dir und fliehen,
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Gewinnst du nicht, so werde selbst Gewinn,
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Entwickle dich in Form, und Licht, und Tönen,
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So wird der Heimat Bürgerkranz dich krönen.

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O freier Geist, du unerfaßlich Leben,
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Gesang der Farbe, Formenharmonie,
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Gestalt des Tons, du hell lebendig Weben,
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In Nacht und Tod, in Stummheit Melodie,
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In meines Busens Saiten tonlos Beben,
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Ersteh' in meiner Seele Poesie:
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Laß mich in ihrer Göttin Wort sie grüßen,
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Daß sich der Heimat Tore mir erschließen.

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Ein guter Bürger will ich Freiheit singen,
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Der Liebe Freiheit, die in Fremde rang,
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Will in der Schönheit Grenzen Kränze schlingen,
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Um meinen Ruf, des Lebens tiefsten Klang,
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Mir eignen, ihn mit Lied und Lieb erringen,
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Bis brautlich ganz in Wonne mein Gesang,
55
Gelöst in Lust und Schmerz das Widerstreben,
56
Und eigner Schöpfung Leben niederschweben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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