[nur einer noch strebt zu dem Himmelsbogen]

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Clemens Brentano: [nur einer noch strebt zu dem Himmelsbogen] (1800)

1
Nur einer noch strebt zu dem Himmelsbogen
2
Der letzte ist's, die grüne Hoffnung spielt
3
So bang um ihn, der ewig hingezogen
4
Im Himmelblau, die letzte Blüte kühlt.
5
Die Blüte harrt, will daß aus jenen Wogen,
6
Ein Sternlein ihr in Busen fall', doch wühlt
7
Ein schwarzer Sturm, in sanften Himmelsmeeren
8
Und ohn' den Stern, kann lang die Blüt' nicht währen.

9
Und endlich irrt, von unerstiegnen Höhen
10
Die es verließ, und nimmermehr erringt
11
Ein Wesen her; das mir mit süßen Wehen
12
Den Busen löst. Zur offnen Wunde dringt
13
Sein höhres Leben. Nie wird mir's vergehen
14
Weil mein Gebet sich um die Schönheit schlingt.
15
Doch kann sie nur sich schön herniederneigen
16
Und ohne sie ich nie die Höh' ersteigen.

17
So fesselt mich die schönste Freiheit wieder
18
Mit ew'ger Sehnsucht an die Erde hin.
19
Denn sie verlor die Göttlichkeit der Lieder
20
Die sie elegisch singt. Der hohe Sinn
21
Blickt traurig zu der harten Erde nieder
22
Und sucht der Freude spärlichen Gewinn.
23
So bete ich zum Ewigen das nimmer
24
In ihr verlischt, und weine um die Trümmer.

25
Ein reines Wesen hat mich an der Stelle
26
Wo es mich liebend stille angerührt
27
Mit Heiligkeit erfüllt und zarter Helle.
28
Und alles, was das Leben zu mir führt
29
Wird wilde Woge, in der sanften Quelle
30
Die sich wie Ähnlichkeit in mir verliert.
31
Ich seh' im Quell die Sterne spiegelnd beben,
32
Den Spiegel aber wellenabwärts streben.

33
Es spricht die kalte Schönheit auch aus Dir
34
Die nichts erzeugt, als ihren eignen Willen
35
So schön zu sein, und jeder beuget ihr
36
Den eignen Sinn, ihn mit ihr anzufüllen.

37
Sie wandelt ewig sich nur schaffend hier.
38
Und nie kann sie die fremde Sehnsucht stillen.
39
Sie blickt in sich sich selbst so schön erbauet,
40
Denn sie erlischt wenn sie ins Leben schauet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.