[verbindender Text zu Mendelssohns Sommernachtstraum-Musik]

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Franz Grillparzer: [verbindender Text zu Mendelssohns Sommernachtstraum-Musik] (1852)

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Ihr seid versammelt hier und seid gespannt,
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Ein Tonwerk anzuhören, weit bekannt,
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Das hoch und tief, wie heutzutag der Brauch,
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Sich übrall Platz gemacht und so bei uns denn auch.
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Ihr werdets hören jetzt und zwar im Reich der Töne,
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So gut als irgendwo: wir sind noch Mozarts Söhne.
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Beethoven, Haydn, Meister edler Art,
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Sie wirken, obgleich schwach, noch in die Gegenwart.
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Doch heut genügt das nicht, denn Mendelssohns Musik
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Lehnt sich dramatisch an ein Bühnenstück,
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Das Stück nun können wir euch vor nicht führen,
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Deshalb ward ich gesandt, es euch zu explizieren.
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Das fällt mir schwer. Shakespeare ist Proteus-gleich:
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Glaubt ihr zu halten ihn, so lacht er fern von euch.
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Doch muß es, so geschehs. Wir fassens mutig an,
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Ein Schelm tut mehr, als er nun eben kann.
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Doch zum Beginn und eh wir weiter gehen,
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Sagt mir: glaubt ihr an Elfen oder Feen?
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Glaubt ihr? dann gut; wenn aber nicht,
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Dann geht ihr fehl im Leben und Gedicht.
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Der Teufel ist der Vater alles Bösen,
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Wir beten drum, von ihm uns zu erlösen.
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Allein das Böse, schwarz, in vollem Grimme,
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Ist lange noch nicht alles Schief und Schlimme,
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Die
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Die halb von ihm und halb von Oben stammt.
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Ihr liebt, da ist die Huldin eine Fee,
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Zürnt ihr, steht euch ein Kobold in der Näh.
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Ihr wünscht, ihr hofft, ihr seid begeistert –
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Wie mans nun eben ist, nicht meisternd, nur bemeistert –
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Da seid ihr denn, ich kann nicht helfen,
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Besessen, nicht vom Teufel, doch von Elfen,
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Und daß sies sind, zeigt schon das öde Nichts,
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In das der Wahn zerrinnt beim ersten Strahl des Lichts.
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Doch auch was schön und anmutsvoll im Leben,
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Ist diesen Mächten in die Hand gegeben,
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Die Neigung, das Vertraun, die Feindesliebe,
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Was nützlicher vielleicht, wenns unterbliebe,
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Und doch, indems der Klugheit Bann entschlüpft,
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Die Bande zwischen Mensch und Menschen knüpft:
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Des Dichters Lied, des Malers Meisterstück,
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Wenn ihr, erfaßt vom Zauber der Musik,
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Euch besser fühlt, und habt doch nichts getan,
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Und reicher, obgleich keiner was gewann,
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Und höher, obgleich stets vom selben Maß,
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Und wissend, freilich nicht wovon und was,
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Und nicht nur so euch fühlt, nein wirklich seid:
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So denkt, es fiel in eure Spanne Zeit
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Ein Strahl vom Jenseits, das uns noch verborgen,
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Ein Wintertraum von einem Sommermorgen.
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Und jene Mächte habens dort gesehn
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Und kündens halb, weil sies nur halb verstehn.
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Das ist der Boden, den wir heut gewählt:
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Die Torheit, die der Weisheit sich vermählt.
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Doch horch! es rauscht in ungeduldgen Geigen!
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Das sind die Elfen selbst. Da muß der Redner schweigen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Franz Grillparzer
(17911872)

* 15.01.1791 in Wien, † 21.01.1872 in Wien

männlich, geb. Grillparzer

österreichischer Dramatiker

(Aus: Wikidata.org)

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