4. Reiselust

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Franz Grillparzer: 4. Reiselust (1831)

1
Kam zurück die Lust zu schweifen?
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Wunsch zugleich und Scheu der Rast;
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Drängts den Mißmut abzustreifen
4
In gedankenloser Hast?

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Sieh die Pferde schon bereitet,
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Das Geräte schon beschickt,
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Der Gesichtskreis ist erweitet,
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Der Gesichtspunkt ist verrückt.

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Und so gehts durch Deutschlands Gauen,
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Peitschenstreichs von Ort zu Ort;
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Müd das Auge schon zu schauen,
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Und die Lippe müd des Worts. –

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Roma, Roma! Goldne Stunden,
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Als ich deine Zauber sah.
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Jahre sind seitdem entschwunden,
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Und dein Reiz noch immer nah.

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Damals auch trieb bittrer Kummer
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Mich aus meinem Heimatland,
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Einer Mutter Grabesschlummer,
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Trüb ein mißgeschlungnes Band.

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Doch wie anders und wie besser!
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Die Erinnrung kam zur Rast,
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Schwächer wie der Abstand größer,
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Jeder Schritt nahm eine Last;

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Und von jeder hohen Schwelle
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Sah ein Himmlischer mich an,
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Rückte sacht auf dem Gestelle,
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Lud zu sich den Wandersmann.

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Nun sind müder meine Füße,
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Kummer hält schon gleichen Schritt,
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Wo ich Tempel ehrend grüße,
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Nahm die Zeit die Götter mit.

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Einer nur ist mir erschienen,
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Aber ich ertrug ihn nicht,
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Und der Abglanz seiner Mienen
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Ward statt Flügel mir Gewicht.

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Schien er wie ein Zeus zu schreiten,
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Mir hielt er, ein Chronos, vor
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All den Unterschied der Zeiten,
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Ach, und all, was ich verlor.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Franz Grillparzer
(17911872)

* 15.01.1791 in Wien, † 21.01.1872 in Wien

männlich, geb. Grillparzer

österreichischer Dramatiker

(Aus: Wikidata.org)

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