Das Spiegelbild

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Franz Grillparzer: Das Spiegelbild (1821)

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Ich lag im grünen Laubgezelt,
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Die Stirn in heißer Hand,
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Verbaut von Zweigen Flur und Feld,
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An eines Brunnens Rand.

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Und als ich so am Rand gelegt
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Mein Bild im Quell gewahrt,
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Fühlt ich mich wunderbar bewegt,
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Vergaß des Wassers Art

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Und rief: So hegest du mein Bild,
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Du Wesen, still und rein,
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Des Herzens Sehnen, ungestillt,
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Soll drum dein eigen sein,

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An deinem Ufer will ich ruhn,
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Will mir ein Laubdach baun,
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Matt von des Lebens Mühn und Tun
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In deine Wellen schaun.

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Da, neben meinem, in dem Quell,
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Gewahr ich noch ein Haupt;
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Es ist mein Freund, erkenn ich schnell,
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Den ich entfernt geglaubt;

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Und wie er schalkhaft lächelnd, froh,
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Sich über mich gebeugt,
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Mit emsger Treue, ebenso
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Der Spiegelquell ihn zeigt.

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Da war ich schnell vom Traum erwacht,
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Doch zürnt ich nicht dem Quell,
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Ich zürnte, daß ich nicht bedacht,
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Was doch vom Anfang hell:

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Des Wassers Art ist eben so,
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Zeigt nicht nur
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Die ganze Welt ist dessen froh,
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Und ich auch grolle nicht;

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Auch in der Folge will ich gern
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An deinem Ufer gehn,
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Recht innig froh, auch mich von fern
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In deinem Selbst zu sehn;

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Doch wohnen hier, mich dir vertraun –
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Laß fahren das, mein Sinn!
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Wer wird sein Glück auf Wasser baun?
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Und also ging ich hin!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Franz Grillparzer
(17911872)

* 15.01.1791 in Wien, † 21.01.1872 in Wien

männlich, geb. Grillparzer

österreichischer Dramatiker

(Aus: Wikidata.org)

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