Epilog zur ersten Abteilung der Trilogie »Das goldene Vließ«, aufgeführt als freie Einnahme der Regisseurs des Hofurgtheaters

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Franz Grillparzer: Epilog zur ersten Abteilung der Trilogie »Das goldene Vließ«, aufgeführt als freie Einnahme der Regisseurs des Hofurgtheaters (1821)

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Der ältste einer altbekannten Schar,
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Zu eurem und der Musen Dienst vereinigt,
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Nah ich, von meinen Brüdern abgesandt –
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Der eine, euch den Dank von allen bringend.
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Den Dienstbeflißnen, immerdar bemüht,
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An fremdem Herd für fremden Gaum zu sorgen,
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Uns ist ein einzigmal im Jahr vergönnt,
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Den Hausherrn selbst zu machen, werte Gäste
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Am kleinen Tische freundlich zu empfangen
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Und zu bewirten, wie das Haus es gibt.
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Da ist nun unser Streben drauf gewendet,
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Daß des Vertrauens wir auch wert uns zeigen,
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Den Vielwillkommnen sich Willkommnes biete,
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Und Tisch und Becher glänze bei dem Mahle.
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Das ist so leicht nicht in so karger Zeit!
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Die alten Meister sind dahingegangen,
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Kaum lebet einer, widerwillig, noch;
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Die jungen aber, sie und sich verkennend,
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Erweitrung der Gedanken und der Kraft
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Für eines haltend, sehn auf jener Ziel –
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Als hätts ihr Fuß erreicht, weil es ihr Auge –
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Mit vornehm stolzem Mitleid tief herab,
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Nur weiter! weiter! geht das rasche Streben.
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Das Höchste will nur jeder und verfehlt
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Das Nächste drüber kindisch schwachen Flugs.
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Wohl schwere Wahl in also karger Zeit.

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Da ist das Werk in unsre Hand geraten,
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Das ihr zum Teil gesehn, zum Teil noch nicht.
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Wir merkten drin, ob gut sonst oder schlimm,
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Gar manchen Anklang aus entschwundner Zeit,
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Und so, vertrauend, bringen wir euchs dar.
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Verfaßt hats einer, der sich euer nennt,
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Als unter euch geboren, euch verwandt
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Durch das, was dieses Landes Beste bindet,
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Ein offnes Herz und einen schlichten Sinn.
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Und solchen Sinns hat er sein Werk vollbracht.
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Nicht überbieten soll es, was schon da,
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Durch die Verlängrung altgewohnten Maßes,
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Aus dreien Stücken künstlich eines flechtend,
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Dem Geiste folgend, der ihm so gebot,
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Fast wider Willen folgend, tat er so.

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Was ihr nun heut gesehn, der Eingang ists,
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Die Schwelle jenes tiefverschlungnen Baus,
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In den er euch, den Faden reichend, führt.
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Von wo der Mensch beginnt, womit er endet,
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Was er für Mächte in der Brust verbirgt,
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Und was für Mächte seine Brust ihm bergen.
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Das ist der Inhalt unsers ernsten Spiels.
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Was heut begonnen, morgen wirds vollendet;
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Drum folget günstig unsern Schritten nach
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Und schiebt für heute noch das Urteil auf,
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Bis sich das Ganze als ein Ganzes zeiget.

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Und so ist meines Kommens Zweck erfüllt,
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Der Dank gebracht, das Nötige verkündet
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Und Abschied nehmen gilts. So lebt denn wohl!
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Doch ists auf lange nicht, wir hoffens alle
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Und übers Jahr sieht wohl die Kunst beisammen –
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Denselben Tempel und dieselben Priester,
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Dieselben Freunde, und vielleicht – wer weiß –
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Denselben Dichter auch, geliebt es Gott und euch.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Franz Grillparzer
(17911872)

* 15.01.1791 in Wien, † 21.01.1872 in Wien

männlich, geb. Grillparzer

österreichischer Dramatiker

(Aus: Wikidata.org)

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