[an Hofrat Karl Ritter v. Kübeck]

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Franz Grillparzer: [an Hofrat Karl Ritter v. Kübeck] (1817)

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Von seiner ewigen Berge Spitzen
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Hebt sich Tirols gefürchteter Aar,
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Hoch ob der Menschen niedrigen Sitzen
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Läßt er die mächtigen Flügel blitzen,
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Stellet ein Götterbote sich dar.

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Einen Kranz in den mächtigen Krallen,
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Schwebt er daher zu der Donau Strand.
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Welchem Glücklichen, welchem vor allen,
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Ist das herrliche Los gefallen,
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Wem ward solcher Bote gesandt?

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Und er senket das stolze Gefieder.
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Auf ein wertes, ein würdiges Haupt
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Legt er die köstliche Spende nieder;
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O, ihr kennt es, ihr kennet es, Brüder!
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Ists gleich dem Sang nicht zu nennen erlaubt.

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Trefflicher! Weise den Schmuck nicht von dannen!
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Ging gleich nach Schmuck dein Begehren nie;
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Reihe dich zu den kräftigen Mannen,
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Die das Werk der Freiheit begannen,
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Du, ein Befreier, so wie sie!

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Ein Befreier von stärkeren Banden,
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Als Tyrannei sie jemals gestählt.
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Ketten, die trotzende Kräfte wanden,
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Haben noch nie der Kraft widerstanden,
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Nie hat dem Zwingherrn ein Gegner gefehlt.

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Offen stellt die Gefahr sich entgegen,
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Wecket den Gegner mit stürmender Hand,
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Pocht an den Busen mit donnernden Schlägen,
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Daß die schlummernden Kräfte sich regen,
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Eilig sich rüsten zum Widerstand.

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Laßt uns die Kraft und den Mut und den Willen,
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Wo ist Gefahr? Sie komme nur an!
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Doch was tief unter schmeichelnden Hüllen
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Heimlich naget und gräbt im Stillen,
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Da gilts zu zittern; da bebt auch der Mann!

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Was in dem eigenen Busen geboren,
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Krieg dem eigenen Busen erregt,
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Das sein Ich zum Gott sich erkoren
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Und dem Moloch, dem es geschworen,
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Das eigene Kind in die Arme legt;

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Eigennutz, die gefräß'ge Hyäne,
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Eigenliebe, sich Gott und Altar,
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Selbstsucht, wetzend die gierigen Zähne,
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Lüstern schlürfend des Bruders Träne –
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Austria!

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Ob dieser Brut von zischenden Schlangen
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Hast du, Starker, den Fuß gesetzt.
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Ende das Werk, das du angefangen,
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Und dein Bild soll ewig uns prangen,
50
In der Zukunft Hallen wie jetzt.

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Auf! du Starker! es muß gelingen!
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Stürze darnieder der Hölle Trutz!
53
Und unsre Wünsche, mit wehenden Schwingen,
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Sollen im Kampfe dir Kühlung bringen,
55
Wünsche der Frommen sind mächtiger Schutz!

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Sitzt doch ein Mann auf Austrias Throne,
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Edel heißend, was edel ist,
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Der dem Verdienste beut seine Krone,
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Der stets bereit zu Dank und Lohne,
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Nichts, als erlittenes Unrecht vergißt.

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Er gebeut, daß dein Name sich schare
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Zu den Sternen der Majestät,
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Damit die jubelnde Welt erfahre,
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Daß noch außer dem Adel der Jahre
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Auch ein Adel des Wertes besteht!

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Würde soll nie dem Würdigen fehlen!
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Tritt hinan, und der Segen der Welt
68
Mag in des Nachruhms strahlenden Sälen
69
Einst dich unter die
70
Wie er jetzt unter die

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Franz Grillparzer
(17911872)

* 15.01.1791 in Wien, † 21.01.1872 in Wien

männlich, geb. Grillparzer

österreichischer Dramatiker

(Aus: Wikidata.org)

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