Willkommen bei der Ankunft der vierten Gemahlin Kaiser Franz I

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Franz Grillparzer: Willkommen bei der Ankunft der vierten Gemahlin Kaiser Franz I (1816)

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Ich hab sie gesehen,
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Apart und genau,
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Ich hab sie gesehen,
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Die herrliche Frau:

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Ja, staunet nur, staunet!
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Ich stand dort am Rain
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Und trieb meine Gänse
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Ins Wasser hinein,

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Und wie wir so stehen,
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Ein jedes für sich,
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Und schauen, der Entrich,
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Mein Pudel und ich,

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Da hebt sichs von ferne,
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Da wirbelt der Staub,
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Da kommt es gerasselt
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Durchs fallende Laub.

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Ein Zug kommt geflogen
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In goldener Pracht,
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Wie Wolken, wenn morgens
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Die Sonne erwacht.

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Und mitten ein Wagen,
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Ganz schlicht, ohne Glanz,
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Doch glänzt er vor allen,
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Er führt unsern Franz,

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Und an seiner Seite
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Saß, lieblich und mild,
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In züchtigem Schweigen
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Ein Frauenbild.

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Ha, dacht ich mir selber,
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Wer mag das wohl sein?
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Dem Herren zur Seite
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Muß Herrliches sein.

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Ich schau ihr ins Auge,
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Da trifft mich ihr Blick,
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Noch denk ich mit Zittern
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Und Wonne zurück.

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Daheim in der Kirche,
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Am hohen Altar,
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Da stehet ein Bildnis,
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So herrlich und klar:

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Die Mutter des Heilands
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Am Sternenthron,
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In liebenden Armen
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Den göttlichen Sohn.

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Mit freundlicher Wehmut,
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So trostreich und lind,
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Verweilet ihr Auge
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Am schlafenden Kind;

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Sie scheints zu geleiten
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Auf künftiger Bahn –
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So sah mich die Hohe,
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Die Liebliche an.

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O Blick ohnegleichen,
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Voll himmlischem Sinn,
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Er stammet vom Himmel
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Und führet dahin.

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Da stand ich und staunte,
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Mein selbst nicht bewußt,
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Mit tränenden Augen,
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Mit schwellender Brust.

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Jetzt lächelt die Hohe,
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Da fuhrs durch mich hin:
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Es ist unsre Mutter,
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Die Kaiserin!

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Nun will ich sie grüßen,
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Ich suche das Wort,
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Da rauscht es vorüber,
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Die Holde war fort.

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Ich Alberner rückte
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Nicht einmal den Hut,
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Nun wird sie wohl glauben,
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Ich sei ihr nicht gut,

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Glaubt wohl, daß in Östreich
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Ein einziger sei,
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Der sich ihrer Ankunft,
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Sich ihrer nicht freu!

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Noch heut soll sie kommen,
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Ich weiß es, zur Stadt,
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Da sehet ihr glücklichen
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Städter euch satt.

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Wenn ihr nun ihr zuruft
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In Freudenerguß,
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So bringt ihr auch meinen
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Verspäteten Gruß,

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Und sagt ihr: Der Junge
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Da draußen am Bach,
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Er stehe an Liebe
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Den Besten nicht nach.

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Für sie unser Leben,
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Für sie unser Blut!
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Kein einzger in Östreich,
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Der weniger tut.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Franz Grillparzer
(17911872)

* 15.01.1791 in Wien, † 21.01.1872 in Wien

männlich, geb. Grillparzer

österreichischer Dramatiker

(Aus: Wikidata.org)

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