Abschied von der Hofbibliothek

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Franz Grillparzer: Abschied von der Hofbibliothek (1813)

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Lebet wohl, ihr guten Musen,
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ich verlaß euch bald,
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denn an eurem welken Busen
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ists verzweifelt kalt.

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Für den Kopf, ich muß es sagen,
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sorgtet ihr recht sehr,
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doch ich hab auch einen Magen,
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und den ließt ihr leer.

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»sieh den Lorbeer! Was lohnt höher?«
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Ach, ich hab ihn satt,
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scheid ich nicht, so braucht ich eher
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noch ein Feigenblatt;

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denn hienieden ist man leider
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nur auf Geld erpicht,
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Geld verlangt der harte Schneider,
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ach, und kein Gedicht.

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Mit den Göttern nur im Bunde,
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fremd im irdschen Land,
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schüttelt Gold ihr aus dem Munde,
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Kupfer aus der Hand.

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Leder habt ihr an den Bänden,
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keines für den Schuh,
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Tische gnug an euren Wänden,
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Tischtuch fehlt dazu.

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Trotz der Handschrift, die für teuer
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euer Schrein uns gibt,
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dünkt ein Wechsel mir, beim Geyer!
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beßres Manuskript,

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und, am Schluß, statt längerm Fabeln,
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Lieschens Auge brennt
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nach ganz andern Inkunabeln,
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als Herr Sensel kennt.

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Drum lebt wohl, ihr guten Musen,
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ihr seid mir zu kalt,
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mich zieht an des Lebens Busen
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stärkere Gewalt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Franz Grillparzer
(17911872)

* 15.01.1791 in Wien, † 21.01.1872 in Wien

männlich, geb. Grillparzer

österreichischer Dramatiker

(Aus: Wikidata.org)

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