Vergnügt dich, theures Haupt, ein Blat von Ehrfurchtsküßen

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Johann Christian Günther: Vergnügt dich, theures Haupt, ein Blat von Ehrfurchtsküßen Titel entspricht 1. Vers(1709)

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Vergnügt dich, theures Haupt, ein Blat von Ehrfurchtsküßen,
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So nimm ihr jezt soviel, als dein Verdienst begehrt,
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Dem Musen, Hof und Stadt viel Kränze flechten müßen
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Und Schlesiens Parnaß den höchsten Siz gewährt.
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Kommt Pflicht und Danckbarkeit in etwas spät zurücke,
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Verzeih es dir nur selbst, dein Brief ist schuld daran,
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Dein Brief, in dem ich zwar viel Rath und Trost erblicke
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Und der mir doch darbey nicht wenig weh gethan.
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Wodurch? Mit Wohlthun? Ja; ein ehrliches Gemüthe
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Nimmt, was es nicht verdient, mit Röth und Traurigkeit,
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Und also martert mich der Zuschuß reicher Güte,
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Wovor dir mein Gebeth manch Morgenopfer weiht.
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Du ehrest überdies mein ungeschicktes Dichten,
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Dein Urtheil und Verstand giebt jedem Verse Schein,
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Und dürfte, wollt ich mich nach deßen Ausspruch richten,
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Ein nicht geringer Zug zum Selbstbetruge seyn.
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Allein wie kanstu doch mit armen Musen scherzen,
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Warum vermehrt dein Lob die Schwermuth ihrer Brust?
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Sie haben außerdem viel Jammer in dem Herzen
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Und klagen, daß auch du sie noch beschämen must.
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Jedoch ich seh daraus die kluge Vaterliebe,
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Die oft durch falschen Ruhm der Kinder Fleiß erweckt;
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Nicht anders hast auch du die halberstorbnen Triebe
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Der faulen Poesie von neuem angesteckt.
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Dies, was ich noch nicht bin, getraut ich wohl zu werden;
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Nur schade, daß kein Stern wie Milichs Auge lacht
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Und daß die Ungedult der täglichen Beschwerden
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Das Feuer von Natur in Thränen flüchtig macht.
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Was hatt ich damahls nicht vor Hofnung und Vergnügen,
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Da Schweidniz meinen Fleiß in erster Blüthe sah,
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Da mancher wies und sprach: Der wird vor andern siegen
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Und kommt an seltner Kunst den alten Dichtern nah!
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Umsonst. Nun hab ich längst den Ehrgeiz fahren laßen,
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Durch Spiel und Wißenschaft den Nahmen zu erhöhn,
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Da Gönner, Freund und Gott mein irdisch Wachsthum haßen
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Und Wüntsche frommer Brust wie Frühlingseiß vergehn.
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Bisweilen zeigt mir zwar die Schickung beßre Strahlen,
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Allein sie zeigt sie nur und quält mich noch so scharf,
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So wie die Fabeln dort des Pelops Vater mahlen,
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Der Fluth und Äpfel sieht und nicht genießen darf.
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In Dresden sieht man nichts als lauter güldne Zeiten,
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Land, Dörfer, Stadt und Hof sind pracht- und jubelvoll.
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Wie geht's am Helicon? Es riecht nach armen Leuten,
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Worunter ich gleichwohl viel Nettes dichten soll.
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Nechst wurd ich mit Gewalt an unsern Hof gezogen,
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Viel Gönner schwazten mir Befördrungsmittel vor;
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Ich kam und sah, und sieh, ich war so gut betrogen
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Als jener, der das Fleisch bey Schattenwerck verlor.
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Mein ganzer Vortheil war ein leer- und magres Loben.
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Ein Kerl, der Reime quält und noch der Pritsche mißt,
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Kommt an und sticht mich ab, nicht wegen netter Proben,
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Nein, sondern weil er nur ein beßrer Hofnarr ist.
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Ich gonn ihm auch den Ruhm; doch kan ich dies wohl sagen:
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Es geht mir etwas nah, daß gründlich kluger Fleiß
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Und wahre Wißenschaft so oft den Bloßen schlagen
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Und Phoebus nirgends mehr gewiße Zuflucht weis.
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Doch deßen ungeacht bemüh ich mich um Reime,
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Ob diese gleich so hart als Glück und Himmel sind.
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Mein Gönner, zürne nicht, wofern ich dich versäume
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Und wo mein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Der Pöbel hält und schilt uns Dichter oft vor Thoren;
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Mein Beyspiel zwingt mich fast, der Meinung beyzustehn.
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Wie ofters hab ich nicht die magre Kunst verschworen,
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Und gleichwohl kan ich ihr nicht lange müßig gehn.
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Ich hab es stets gehört und leider selbst erfahren,
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Wie wenig unsre Zeit den armen Künsten giebt.
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Kein Joseph findet sich in ihren Theurungsjahren,
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Kein Ludwig, deßen Ruhm ihr kluges Spielen liebt.
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Nichts desto weniger entzückt mich noch ihr Scherzen,
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Und selbst mein Ungemach bringt manchen Einfall bey;
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Verschwör ich sie gleich oft, so geht es nicht vom Herzen,
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Denn weil der Mund noch flucht, so schreibt die Hand aufs neu.
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So reizt ein gutes Roß den erst gefallnen Reither,
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So ist des Schifers Art: Er flucht auf Sturm und See
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Und eilt dem Ufer zu; in kurzem wird es heiter,
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Da weis er nichts davon und seegelt auf die Höh.
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Nicht anders treib ich das, wovon ich laßen wollte,
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Käm anders nicht der . . . . . . . . . . . . . . . . . . . her,
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Und lerne, was ich doch so gern vergeßen sollte,
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Wofern es mir ein Ernst um Ehr und Reichthum wär.
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Und worauf sollt ich mich auch endlich beßer legen?
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Die Musen sind mir hold, ich bin ihr ächtes Kind;
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Ich reim in Warheit nicht der faulen Tage wegen,
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Da Fleiß und Stätigkeit mir angebohren sind.
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Es sind schon ohne mich, die Pflug und Schwerd regieren,
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Und könt ich auch der Welt in diesem nützlich seyn,
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So sollte mich gewis noch Scham noch Furcht verführen;
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So aber spricht mein Leib und deßen Schwachheit: Nein.
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Wie soll ich beßer thun? Den Predigtstuhl besteigen?
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Drey Dinge schröcken mich: Gewißen, Wahn und Tod.
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Wie? Oder soll ich gar das Recht der Wittwen beugen?
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Das geht wohl auch nicht an, ich werde bald zu roth.
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Wie, wenn ich also nun die Kunst des Vaters triebe?
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Zwey Gründe reizten mich zu . . . . . . . . . . . an:
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Der Werth der Wißenschaft und dann des Nechsten Liebe;
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Nur schade, daß man nie mit Ehren heilen kan.
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Nach Hofe taug ich nicht, ich hab ein treu Gemüthe
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Und bin der Warheit Freund, die wär allein mein Fall.
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So fänd ich nirgends Ruh, so sehr ich mich bemühte,
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Und außer meiner Kunst verlier ich überall.
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Ja, spricht man, weistu nicht, wir sind der Welt gebohren,
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Des Landes Glück und Wohl erfordert unsre Pflicht.
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Gar gut. Ich hab auch noch die Dienste nicht verschworen
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Und leugne den Beweis der alten Warheit nicht.
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Was nüzt nun, schreyt der Neid, der . . Dichterorden?
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Vielleicht noch mehr als die, so fürstlich Schaden thun,
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Des Landes Marck entziehn, nach eigner Willkühr morden
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Und bey der Armen Flehn auf . . . und Purpur ruhn.
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Was nüzt wohl Marx der Welt, den Hof und . . küßen,
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Den jeder . . . . . . . . . . . . . des Landes Stüze nennt,
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Dem Volck und Unterthan mit Ehrfurcht dienen müßen
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Und der dem Ärmsten doch den lezten Scherf kaum gönnt?
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Er schwizt, studirt und sinnt auf ungerechte Steuern,
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Betriegt dabey so gut den König als das Land,
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Bemüht sich hier und dar, den Zwiespalt anzufeuern,
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Und fischt in trüber Fluth mit . . . . . . . . . . . Hand.
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Was bringt ein Juncker ein, der Gut und Feld verschlimmert,
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So Wild als Bauern hezt, der Ahnen Geld verzehrt,
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Vor Lanzen Gläser bricht, viel Afterschläge zimmert
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Und, wenn das Dorf entlauft, sich von der Krippe nährt?
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Wem dienet Maximin, den Geiz und Hochmuth plaget,
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Der stets um Wucher schwiert, bey fremdem Schaden lacht
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Und, wenn ihn das Fallit kaum vor dem Galgen jaget,
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Sich bey des Himmels Zorn noch gute Tage macht?
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Vielleicht kan wenigstens mein . . . . . . . . . . Dichten
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Durch manchen guten Spruch ein einsam Herz erbaun;
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Denn dieses lernt daraus, wenn Neid und Thorheit richten,
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Der Sachen Eitelkeit in etwas überschaun.
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Wer Narren striegeln sieht, den macht die Strafschrift klüger,
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Und wen der Kummer drückt, der stillt ihn, wenn er list,
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Wie manch gelehrter Thor und reicher Landbetrieger
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Ein lächerliches Spiel des klugen Satyrs ist.
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Die Götter fuhren sonst in Rauch und Nebel nieder,
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So wie sie uns Homer noch unter Augen legt;
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Die Warheit hüllt sich auch in Fabeln netter Lieder,
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Weil doch des Pöbels Blick ihr Feuer schwer verträgt.
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Wo las ich auch hernach das Lob berühmter Leute,
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Das von der Dichterkunst den reichsten Vortheil zieht
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Und über tausend Jahr noch ja so frisch als heute
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Vermöge seines Werths und unsrer Sorgfalt blüht?
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Ich bleibe, was ich bin, und bleib ich auch verlaßen,
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So schmeck ich den Genuß gelehrter Einsamkeit,
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Die, wenn mich Glück und Freund und Geld und alles haßen,
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Mir auch bey Salz und Brodt viel Selbstvergnügung weiht.
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Wenn andern Pferd und Tanz die starcken Wechsel mindert,
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Wurf, Todos und Bricoll den halben Schlaf entführt,
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Ein schöner Tag aufs Dorf den Sommerfleiß verhindert
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Und Gondel und Musick Gefahr und Neid gebiehrt,
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So siz ich bald daheim, bald aber in dem Grünen
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Und Phoebus und mein Creuz, sonst niemand, neben mir.
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Da muß mir oft die Noth zum Seelenfrieden dienen,
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Denn wenn die Muse spielt, weicht aller Schmerz von hier.
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Bald giebt mir Boileau die Geißel in die Hände,
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Bald senckt mir Nasons Geist viel süße Flammen ein.
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Mein Gönner, tadle nicht die Schwachheit zarter Brände;
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Wer Lieb und Brunst nicht kennt, der kan kein Dichter seyn.
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Bald fällt mein stiller Mund auf Carlens Heldenthaten,
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Da hol ich vom August manch . . . . . . . Gleichnüß her,
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Da denck ich oftermahls, wie würde dir gerathen,
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Wenn Milichs . . . . . . . . . . . in Wien Mäcenas wär.
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Jedoch was klag ich noch? Sein Nahme giebt schon Proben,
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Daß Gütigkeit und Huld ein Göttertittel sey.
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Mein Gönner, halt es hier vor kein genieslich Loben;
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Du weist, ich dencke rein und sage schlecht und frey.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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