XxXIII. Monduntergang

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Giacomo Leopardi: XxXIII. Monduntergang (1817)

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So wie in öden Nächten
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Auf Feld und Wellen, die von Silber glänzen,
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Wo leichte Winde schweben
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Und tausend Zauber walten,
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Und rings mit Truggestalten
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Die Schatten in der Ferne
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Gebirg und Meer und Villen
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Und jeden Zweig und jede Hecke füllen,
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Nun dicht am Himmelssaume
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Hinter Gebirgswand oder in den Schooß
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Des Meeres still und groß
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Der Mond versinkt und sich die Welt entfärbt
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Die Schatten fliehn und nur
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Und dann im blinden Schweigen
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Der Nacht mit einsam klagendem Gesang
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Den Nachglanz des Gestirns, das seinem Wagen
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Die Leuchte vorgetragen,
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Der Kärrner grüßt den müden Pfad entlang: –
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So schwinden, so entschweben
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Sehn wir dem Erdenleben
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Die Jugend. So von hinnen
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Flieht aller Schein und Schatten
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Holdsel'gen Wahns; die hoffenden Gedanken,
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Die uns vertröstet hatten
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Auf eine Zukunft, sinken und verblassen.
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Umnachtet und verlassen
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Ist nun das Leben. Mit verwirrten Sinnen
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Umblickend, sucht der Wandrer ach, vergebens
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Des langen Wegs, den er noch vor sich ahnt,
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Ziel oder Zweck und sieht,
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Wie fremd ihm das Gebiet,
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Und er – wie fremd er ward im Reich des Lebens.

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Zu froh und glücklich noch
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Würd' unsre Erdennoth
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Dort oben scheinen, wenn die Jugendzeit,
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Wo jedes Gut die Frucht von tausend Leiden,
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Fortwährte durch den ganzen Lebenslauf;
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Zu gnädig das Gesetz,
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Das jeder Creatur verhängt den Tod,
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Wär' nicht ein halbes Leben
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Uns noch zuvor gegeben,
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Das härter ist als alle Todesschrecken.
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O göttlicher Erfindung
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Höchst würdig, aller Uebel
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Unseligstes, verliehen uns die Ew'gen
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Das Alter, wo die Wünsche
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Noch glühend sind, die Hoffnung längst erloschen,
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Versiegt der Freuden Quell und stets sich häuft
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Das Weh, in das kein Tropfen Wonne träuft.

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Ihr Hügel und Gefilde,
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Nicht lang nachdem der Glanz hinabgesunken,
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Der das Gewand der Nacht in Silber taucht,
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Nicht lange sollt ihr harren,
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Verwais't und bang; bald naht die Morgenfrühe,
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Die dämmernd überhaucht
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Euch und den Himmel und das Meer von Neuem.
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Und auf dem Fuß ihr folgt die hehre Sonne,
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Die, in die Runde sendend
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Die allgewalt'gen Gluten,
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Mit ihren Strahlenfluten
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Euch überströmt zusammt den Aetherfluren.
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Doch unser Menschenleben, wenn die schöne
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Jugend entschwand, erhellt sich fürder nicht
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Von anderm Strahl, von anderm Morgenlicht.
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Hinfort bleibt es verwittwet, und am Ende
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Der Nacht, die düster sinkt auf uns herab,
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Harrt unser nach der Götter Schluß – das Grab.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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