1
Das Wetter ist vergangen.
2
Die muntern Vögel fangen an zu singen,
3
Die Henne wagt mit Gackern
4
Sich auf die Straße wieder. Sieh, wie plötzlich
5
Im West am Berg der Himmel sich erhellt.
6
Nun lichtet sich das Feld,
7
Und aus dem Thale glänzt der Fluß herauf.
8
Ein jedes Herz wird froh; allüberall
9
Beginnt die Arbeit wieder
10
Und regt sich rüst'ger Schall.
11
Der Handwerksmann, sein Werkzeug in der Hand,
12
Tritt singend, nach dem feuchten Blau zu spähen,
13
Vor seines Hauses Schwelle;
14
Das Weiblein kommt heraus, in ihr Gefäß
15
Die Regenflut zu fassen.
16
Lautrufend durch die Gassen
17
Zieht mit Gemüsen wieder
18
Der Händler auf und nieder.
19
O sieh, da kommt die Sonne; wie verklärt
20
Sie Höh'n und Villen. Die Bewohner öffnen
21
Terrassen und Balcone. Horch, wie dort
22
Vom Fahrweg Schellenläuten aus der Ferne
23
Herübertönt. Des Reisenden Gefährt
24
Knarrt durch den Sand und setzt die Reise fort.
27
Wie jetzt uns süß und froh?
28
Wann mag mit solcher Lust
29
Man auf sein Tagwerk sinnen,
30
Das alte fördern, neues Thun beginnen?
31
Wann sind wir minder unsrer Noth gedenk?
32
O Lust, du Kind des Schmerzes!
33
O eitle Freude, Frucht nur
34
Vergangner Angst, die unser Herz durchbebt,
35
Daß vor dem Tod wir bangen,
36
Wie bitter auch das Leben,
37
Daß stumm die armen Thoren,
38
Mit todesbleichen Wangen
39
Voll Angstschweiß, in des Himmels
40
Gewitterstürme blicken,
41
Die wider sie verschworen!
43
Das sind die hohen Freuden,
44
Die Gaben, die du liebreich
45
Den Menschen gönnst! Ihm soll es Wonne sein,
46
Wenn von ihm weicht das Leiden.
47
Freigebig theilst du Qualen aus. Der Schmerz
48
Entspringt von selber, und die karge Lust,
49
Die als ein mächtig Wunder hin und wieder
50
Dem Weh entblüht, ist schon ein Glück gewesen.
51
So lieb sind wir den Ew'gen! Glücks genug
53
Nach langem Schmerz, und selig,
54
Wenn wir im Tod von allem Schmerz genesen.