So mild und hell und windstill ist die Nacht

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Giacomo Leopardi: So mild und hell und windstill ist die Nacht Titel entspricht 1. Vers(1817)

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So mild und hell und windstill ist die Nacht,
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Und ruhig über Dächer hin und Gärten
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Schwebt dort der Mond und zeigt auch in der Ferne
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Klar jeden Bergesgipfel. O Geliebte,
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Nun sind die Gassen stumm, nur aus den Fenstern
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Schimmert noch hie und da die nächt'ge Lampe.
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Du schläfst; denn deiner harrt' ein leichter Schlummer
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Im lauschigen Gemach, und keine Sorge
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Nagt dir am Herzen. Ach, du weißt, du ahnst nicht,
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Welch eine Wunde meiner Brust du schlugst.
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Du schläfst; ich tret' ans Fenster, diesen Himmel,
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Der mir so gütig lächelt, zu begrüßen
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Und die Natur, die alte, allgewalt'ge,
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Die mich erschuf zum Leiden. Dir versag' ich
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Die Hoffnung, sprach sie, selbst die Hoffnung. Dir
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Soll nie das Auge glänzen, als von Thränen. –
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Dies war ein Feiertag; von Spiel und Kurzweil
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Ruhst du nun aus und denkst vielleicht im Traum
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An Alle, denen heute du gefielst
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Und die dir selbst gefielen. Ich – nie hofft' ich's –
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Bin unter Diesen nicht. Indessen frag' ich,
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Wie lang dies Leben währt, und hier zu Boden
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Werf' ich mich stöhnend. Fürchterliche Tage
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In solcher Jugend! Unfern auf der Straße
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Kann ich den einsamen Gesang vernehmen
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Des Tagelöhners, der in später Nacht
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Heimkehrt vom Fest in seine arme Hütte,
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Und heftig schnürt sich mir das Herz zusammen,
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Denk' ich, wie Alles in der Welt vergeht
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Und kaum noch Spuren läßt. Verflogen ist
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Der Festtag, und dem Feiertage folgt
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Der Werkeltag, und so entführt die Zeit
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Ein jedes Menschenloos. Wo ist nun hin
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Der Ruf der alten Völker? Wo die Stimme
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Unsrer erlauchten Ahnen und das Weltreich
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Des großen Rom, die Waffen und das Tosen,
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Das einst erschollen über Land und Meer?
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Alles ist Ruh' und Frieden, stille liegt
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Die weite Welt, und Niemand spricht von Jenen.
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In meiner Jugendzeit, da noch mit Sehnsucht
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Den Festtag ich erharrte, wenn er dann
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Vergangen war, lag ich in Schmerzen wach
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Auf meinem Bette; und in später Nacht
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Ein Lied, das mir heraufklang von der Straße
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Und sich entfernend nach und nach erstarb –
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Ganz so wie heut beklemmte mir's das Herz!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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