Wirst du nicht müde, kühner Italer

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Giacomo Leopardi: Wirst du nicht müde, kühner Italer Titel entspricht 1. Vers(1817)

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Wirst du nicht müde, kühner Italer,
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Die Ahnen aus den Grüften
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Zu wecken, daß sie mächt'ge Reden führen
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Mit dieser todten Zeit, da rings in Lüften
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Der Trägheit Nebel schwebt? Und wie berühren
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Jetzt unser Ohr so oft und inhaltschwer
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Die Stimmen unsrer Alten,
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Die uns so lang verstummt? Warum erstehen
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Sie alle wieder? Früchte plötzlich tragen
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Die Blätter. Staub'ge Klöster geben her,
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Was sie verwahrt gehalten,
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Und die verscholl'nen heil'gen Worte gehen
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Von Neuem um. Krönt das Geschick dein Wagen,
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Du wackrer Italer? Wie, oder wird
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Ein Mannesmuth vom Schicksal nicht beirrt?

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Gewiß nur nach erhabnem Götterwillen
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Geschieht's, daß, da in schlimme
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Vergessenheit wir schwer wie nie versenkt,
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Von Neuem stets der großen Väter Stimme
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Uns aufzurütteln kommt. Noch also denkt
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Ein Gott Italiens, noch ward uns nicht ganz
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Des Himmels Huld entrissen,
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Daß, da nur diese Stund' und keine mehr
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Uns bleibt, Italiens Tugenden zu reinen
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Vom Rost, der lang verdunkelt ihren Glanz,
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Dem Ruf wir lauschen müssen
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Aus Gräbernacht und schau'n die Wiederkehr
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Der Helden, die der Erd' entstiegen scheinen
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Nur um zu forschen, ob du noch willst säumen,
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Mein Vaterland, und feig die Zeit verträumen.

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Gabt ihr uns wirklich, ihr Erlauchten, noch
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Nicht völlig auf? Wir wären
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Nicht ganz verloren? Euch vielleicht ist klar,
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Was kommen soll. Doch wie soll
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Grams mich entschlagen? Dunkel ganz und gar
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Ist mir die Zukunft; was ich rings muß sehen,
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Macht Hoffnung allerort
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Zu eitlem Wahn. Ihr Trefflichen, auf euern
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Wohnstätten haus't verhöhnt, in schmutz'ger Blöße
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Ein niedres Volk, und eure Enkel gehen
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An edlem Werk und Wort
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Mit Hohn vorbei. Nicht kann sie mehr befeuern
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Eu'r ew'ger Ruhm. Denkmäler eurer Größe
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Umgiebt ein träger Sumpf, und aller Zeit
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Sind wir ein Muster der Erbärmlichkeit.

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Du edler Geist, da jetzt kein Andrer mehr
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Gedenkt der hohen Ahnen,
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Sei du ihr Hüter, den des Schicksals Macht
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Huldvoll gewürdigt hat, uns zu gemahnen
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Der Tage, wo aus des Vergessens Nacht
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Ihr Haupt erhoben jene heil'gen Schatten
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Sammt den begrabnen Rollen,
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Die hohen Alten, denen die Natur
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Noch unter Schleiern sprach, wie sie Athen
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Und Rom die Feierzeit verschönert hatten.
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O Zeiten, längst verschollen!
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Noch droht' Italiens Fall von weitem nur;
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Noch galt bei uns für schimpflich Müssiggehn;
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Noch raubte da der Lüfte frischer Odem
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Im Fluge Funken unserm Heimathboden!

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Noch warm war damals deine heil'ge Asche,
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Du, dessen Sinn, den hohen,
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Kein Unglück beugte, der in Grimm und Gram
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Aus dieser Welt zur Hölle gern geflohen.
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Und ist denn auch ein Höllenkreis so schlimm,
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Wie unser Land? – Und
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Erklangen schwirrend noch
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Vom Spiele deiner Hand, du unglücksel'ger
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Sänger der Liebe. Ach, dem Schmerz entspringt
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Italischer Sang! Und mindre Qual bereiten
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Die schwersten Leiden doch,
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Als dieser Ekel, der uns lähmt. Du Sel'ger,
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Dem Weinen Leben hieß! Doch uns bezwingt
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Früh schon der Ekel; starren Angesichts
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Sitzt neben uns an Wieg' und Gruft das Nichts.

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Doch damals lebtest du mit Meer und Sternen,
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Kühner Ligurersprosse,
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Als jenseits du der Säulen und der Küsten,
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Wo, wenn die Sonn' erlischt im Meeresschooße,
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Man zischen hört die Flut, den Wasserwüsten
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Dich anvertrauend, wiederfandst den Glanz
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Der Sonne, die vergangen,
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Den Tag, der aufglüht, wenn er uns entschwand,
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Und trotzend jedem Hemmniß der Natur
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Entdecker wurdest unermessnen Lands,
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Glorreicher Lohn der bangen
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Ausfahrt und Heimkehr. Ach, je mehr erkannt,
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Je kleiner wird die Welt; die Erdenflur,
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Das Meer, der Klang der Sphären, – mehr erhaben,
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Als jedem Weisen, dünken sie dem Knaben.

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Wo sind die holden Träume nun von jener
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Geheimen Zufluchtstätte
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Uns unbekannter Siedler, von dem Ort,
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Wo über Tag die Sterne ruhn, dem Bette
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Der jungen Eos und dem Ruheport,
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Wo Nachts verborgen schläft das Weltgestirn?
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Mit Eins sind sie geschwunden;
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Nun zeigt ein kleines Blatt das Bild der Welt.
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Nun gleicht sich Alles, und die Forschung weitet
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Das Nichts nur aus. Dich scheucht von unsrer Stirn
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Die Wahrheit, kaum gefunden,
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O holde Phantasie! Das Denken hält
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Sich fern von dir auf immer und bestreitet
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Die Macht dir mehr und mehr, die wundersame,
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Daß jeder Trost nun schwand in unserm Grame.

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Da kamst du, Mann der holden Träume; hell
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Erglänzte dir die Sonne,
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Der du so süß von Waffen sangst und Liebe,
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Wie sie die Welt, einst minder arm an Wonne,
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Erfüllt mit selig irrendem Getriebe.
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Italiens neuer Stern! O Thürme, Zellen,
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O Ritter, schöne Frauen,
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O Gärten, o Paläste! Denk' ich euer,
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Verliert in tausend bunte Lieblichkeiten
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Die Seele sich. Aus eitlem Tand, aus hellen
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Märchen voll Lust und Grauen
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Bestand das Leben. All die Abenteuer
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Verbannten wir. Was bleibt nun unsern Zeiten,
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Die ihren Lenz verloren? Ach, wir wissen
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Nur Eines sicher: daß wir leiden müssen.

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Uns, o Torquato, ward dein hoher Geist
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Vom Himmel da beschieden;
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Dein eigen Theil sind Thränen nur gewesen.
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Unglücklicher Torquato! Nicht zum Frieden
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Half dir dein süßes Lied, nicht konnt' es lösen
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Den Frost, der deines Herzens warmen Strom,
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So freudig einst geschwellt,
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Vereis't, durch Haß und schnöde Mißgunst. Liebe,
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Liebe, des Lebens letzte Täuschung, ach,
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Verließ dich auch. Ein wesenhaft Phantom
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Schien dir das Nichts, die Welt
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Ein öder Strand. Dein Auge, todestrübe,
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Sah nicht die späten Ehren. Daß es brach,
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War Wohlthat. Wer der Menschen Elend ganz
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Begriff, ersehnt den Tod nur, keinen Kranz.

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O kehr uns wieder, steig aus deiner stummen,
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Trostlosen Gruft, wenn immer
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An Leid du noch dich weidest, mitleidwerthes
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Vorbild des Unglücks. Noch unsäglich schlimmer,
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Als
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Ist
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Dir eine Thräne, Lieber,
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Da Jeden nur sein eigen Loos bewegt?
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Wer hieße Thorheit nicht die Pein, in der
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Du tödlich rangst, da jede seltne Größe
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Gilt als ein tolles Fieber,
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Und nicht mehr Neid, nein, was sich schwerer trägt,
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Gleichgültigkeit die Größten trifft? O wer,
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Heut da nicht Verse, Zahlen nur beglücken,
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Wer würde jetzt dich mit dem Lorbeer schmücken!

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Seit deinen Tagen, unglücksel'ger Geist,
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Kam Einer nur, des Ruhms
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Italischen Namens würdig, nur der Eine,
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Zu gut für diese Zeit des Memmenthums,
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Ein trutziger Allobroger, dem seine
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Männliche Kraft der Himmel selbst verliehen,
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Nicht diese Erde, siech
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Und unfruchtbar. Allein und unbewehrt –
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O herrlich Wagniß! – gegen die Tyrannen
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Wollt' auf den Brettern er zu Felde ziehen.
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O gönnt uns diesen Krieg,
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Dies Scheingefild zum Kampf, wenn feindlich gährt
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Die kranke Welt! Wir sahn ihn sich ermannen,
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Zuerst und einsam; Keiner folgt' ihm nach.
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Versunken blieb sein Land in stumme Schmach.

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In knirschender Verachtung lebt' er hin
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Sein fleckenloses Leben,
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Und Tod bewahrt' ihn, Schlimmres noch zu schauen.
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Nein, mein
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War weder Zeit noch Ort. In diesen Gauen
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Kann Hochsinn fürder nicht gedeihn. Im Hafen
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Ruhn träge wir, ergeben
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In Mittelmäßigkeit. Der Pöbel stieg
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Empor, der Weise sank; Nichts wird bewundert,
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Platt ward die Welt. – Da die Lebend'gen schlafen,
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Erweck zu neuem Leben
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Die Todten, hoher Forscher! Hilf zum Sieg
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Den alten Helden, daß dies Kothjahrhundert
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Empor sich raffe und Begeistrung trinke
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Zu edler That, wo nicht, in Scham versinke!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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