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Die liebste Stelle ... arme, arme Waise!
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Die liebste Stelle war im fremden Haus ...
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Doch dankbar hängt Dein immertreues Herz
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An jenen Menschen, welche dort einst lebten,
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Sich Dein erbarmten und Dich herzlich pflegten
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Als schwach und hilflos Du.
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Wenn Du im Dämmerlichte des Erinnerns
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Mir sprichst von unsern frohen Kindertagen,
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Dann wird lebendig mir die alte Zeit ...
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Ich sehe einen unbeholfnen Buben
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Mit sonnverbranntem Antlitz, großen Ohren,
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Den heißen Kopf durch grüne Büsche stecken
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Und schüchtern ausspähn, ob des Nachbars Mädel
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Sich noch herumtreibt in dem großen Garten,
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Und hör' ihn stotternd deinen Namen rufen
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Und dreimal »Kuckuk!« schrein ....
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Und meinem Lockruf bist Du rasch gefolgt;
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Oh eine kluge Spielgefährtin warst Du mir,
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Die ernsthaft-still an meiner Seite saß,
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Wenn ich Geschichten, grause, ihr erzählte,
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Die an des Ahnen Werktisch ich ersann,
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Dieweil ich sorgsam Rad zu Rädchen fügte,
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Und ringsumher die fert'gen Uhren schlugen,
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Die meines Vaters Vater kunstvoll machte.
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Zuweilen aber wollt' kein Schräubchen sitzen,
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Wollt sich kein Rädchen fügen und kein Stein.
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»du wirst mir nie ein rechter Lehrling, nie!
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Nie ein Geselle wie Dein Vater war,
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Ein Meister niemals, wie ich selber bin ...«
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So schalt der Alte, glotzte durch die Brille
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So grimmig, daß ich jählings nimmermehr
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Dein Stimmchen durch die Lüfte zittern hörte,
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Das erst die Arbeit mich vergessen ließ,
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Weil es, mich rufend, Ringel ringel-reihe!
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Vom Gartenzaune leis' herübersang ....
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Und dann die dämmerstillen Feierstunden,
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Wenn Du mit Deinen nackten kleinen Füßen
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Frischweg mit mir durch Feld und Thal gelaufen.
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Denk ich daran, so fasse ich es kaum,
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Wie schnell die Zeit verrann ...
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Mir wird zu Muth' als säßen plötzlich wir
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In jenem Hause bei den guten Menschen,
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Als wären wieder Beide wir daheim
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Und hätten niemals, niemals uns verlassen.
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Siehst Du, da steht das Haus und auf dem Sims
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Da schnäbeln, drehen, zieren sich die Tauben;
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Die Schwalben schießen zwitschernd hin und her,
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Und auf dem Schornstein zanken sich die Spatzen.
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Die kleinen Zicklein machen tolle Sprünge
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Rund um den Haushund mit dem Zottelpelz,
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Der vor der Thür liegt und sich heiser bellt,
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Wenn Vagabundenvolk des Weges kommt.
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Die schwarze Henne trippelt rufend glucksend,
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Von einer flaum'gen Küchleinschaar umgeben
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Vorsichtig durch den Hof.
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Und erst die Bäume! .... Die breite alte Linde,
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Der Fliederstrauch, der seine vollen Zweige
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Bis an das Dach des niedern Hauses streckt
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Und mit den blauen Blüthenbüscheln leise
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Im Winde an die schmalen Scheiben pocht.
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Die Schlehenhecken, die den Garten säumen,
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Vermengt mit manchem wilden Rosenstrauch.
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Die rothen Hagebutten und die blauen Schlehen,
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Die gaben, aufgereiht an alte Wollenfäden,
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Gar köstliches Geschmeide für Dich einst. –
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Und draußen vor dem Zaune rechts und links,
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Da stehen bei dem morschen Gitterthor
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Die beiden steifen, schattenlosen Pappeln,
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Die immer staubbedeckt und ängstlich scheinen,
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Weil niemals frisches Grün die Blätter schmückt
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Und stets ein Zittern durch die Zweige irrt.
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Doch nun hinein in unser altes Häuschen ...
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Statt einer Flur hat es die große Küche,
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An beiden Seiten sind zwei Stuben nur,
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Die geben Raum für karges Hausgeräthe,
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Der grüne Ofen mit der plumpen Bank,
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Der schwere Tisch mit festgefügten Bänken,
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Darüber dann in einer Fensterecke
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Mit Tannenreis umkränzte Heiligenbilder,
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Das Messingherz mit blanken Flügeln dran
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Und mitten drin das rothe Seelenlämpchen,
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Das grobgeschnitzte Bettgestell voll hoher Kissen,
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Die buntbemalte Truhe mit dem Sonntagsstaat ...
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Das Alles steht vor mir bekannt und lieb,
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Als wär ich dort gewesen all die Tage.
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Ganz unterm Dache aber steckt ein Stübchen,
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In dem Nichts steht als nur ein Kinderbett.
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Ein schläferiges Mägdlein kniet dort,
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Das folgsam seine schmalen Hände faltet
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Und mühsam nachlallt was die alte Frau
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– Mit ihrem Wackelkinn und tausend Runzeln –
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Ihm vorspricht, jedes lange Wort betonend,
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Als müsse Gott das ganz besonders hören.
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Am Fenster lehnt ein Mann mit weißem Haar
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Und ernsten, starken, aber gütigen Zügen.
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Er regt die Lippen nicht, er betet leise,
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Und seine rauhe schwielenvolle Hand
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Legt federleicht er auf des Kindes Köpfchen
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Als übermannt vom Schlaf es flüsternd umsinkt
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Und tiefe Athemzüge durch das Stübchen wehn.
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