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Wenn in der Mittagsstunde Du alsdann,
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Die Hände leicht gefaltet und gekreuzt die Füßchen,
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Nachsinnend lehnest im Großvaterstuhl,
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Gleich der Prinzessin aus dem Ammenmärchen,
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Bewacht von zwei schneeweißen großen Katzen,
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Die emsig spinnend auf der Diele kauern,
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Wenn Frühlingsonnenschein durch's Fenster fällt,
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Quer durch die Stube auf Dein blondes Haupt,
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Wenn dann die alte Magd, die schweigsam saß,
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Halb Deinen Athemzügen, halb dem Winde lauschend,
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Dich plötzlich fragt in ihrer treuen Art:
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»was schrieb denn die Frau Ada heute ... Frau?!«
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Da wird Dir klar, was Du gedacht, gefühlt,
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Seit Dir mein Büchlein aus der Hand gefallen,
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Und leise sagst Du dann: Sie kommt bald wieder!
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Denn als gesucht Du schweigend, und geblättert,
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Da füllten Deine frommen blauen Augen,
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Die erst mit Kinderneugier niederblickten
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Auf jedes Blatt – mit Thränen sich allmählig.
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Warum? ... Ich habe niemals Dir erzählt,
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Wie lichtlos mich das Leben immer dünkt,
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Wie seine Räthsel allzeit mich gequält,
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Und wie ich litt, weil Andere schwerer litten.
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Ich habe Dir kein einzigmal gesagt,
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Welch' helles Wunder Du an mir vollbracht:
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Wie Deines schlichten Wesens milder Glanz,
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Und Deiner Stimme seltsam-weicher Klang,
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Und Deiner Liebe weiblich-zarte Sorgfalt
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Mich selber mild und weich und zärtlich machten.
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Wie ich mich freuen lernte, weil Du Dich
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Erfreuen konntest voll und wahr an Dingen,
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Die unbeachtet ich von jeher ließ.
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Wie ich auflachen konnte harmlos-heiter,
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Um über dieses Lachen dann gar oft
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Verwundert lange selber noch zu lächeln.
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Wie ich mit einmal singen lernte ...
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Und fast erschrack, als meine herbe Stimme
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Durch das Gemach scholl, wo Du horchend
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Inmitten standest ... und bald ernsthaft mitsangst,
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Anschmiegend langsam dich der lust'gen Weise,
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Die frohbewegt sich sacht mein Herz ersann.
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Und war es nicht ein wunderliches Bild,
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Zwei Frauen in der Stube ganz allein
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Sich drehen sehn' im Tanz? ... Ich wurde roth,
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Als an dem Spiegel wir vorüberglitten.
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So gab ich mählig mich Dir ganz anheim,
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So ganz dem Zauber jener sanften Freude
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Am Dasein, der Dich stets bewegt.
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Ich lauschte Deiner Rede ... Weisheit dünkte
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Mich die Geschichte Deines Kindheitsglückes,
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Und Deiner Mädchenzeit harmlose Träume,
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Und Deiner Brautschaft sorgenschwere Jahre,
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Und Deiner Ehe reine Seligkeit.
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Ich lebte mit Dir all' die Zeit zurück,
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Und flog geschäftig mit Dir in die Zukunft
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Bis in das Alter ... fern noch Deinem Scheitel.
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So hobst Du mich, Dir selber unbewußt,
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Hinüber aus der schweren Zwielichts-Müde,
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Die sich auf meinen Geist gelagert, seit
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Das Leben manches frühverfaulte Herz
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Fast schmerzlos löste ab von meinem Herzen,
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Und seit der Tod mir Eines jählings nahm,
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Das ganz ich kenne, seit ich es verloren.
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Und darum schwieg ich, ließ Dich stetig walten.
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Mir war, als spräch's geheimnißvoll in mir:
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»nicht rühre an dem Zauber, den sie spinnt,
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Nicht sinne ob des Wunders, das sie webt,
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Nicht frage ob des holden Räthsels Lösung.«
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Du schautest nur mein lächelndes Gesicht,
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Und nun mit einmal zwingt Dich meine Seele,
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Hinauszublicken in die Einsamkeit,
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In der sie wie ein heimatloses Kind
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Die dunklen Lieder träumte, die Du lasest.
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Nicht weiß ich, ob ich wohlgethan, wenn ich
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Aus weiter Ferne in Dein klares Leben
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Die Schatten meiner Träume gleiten lasse.
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Doch wenig haben Dichter zu verschenken,
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Ihr höchstes und ihr bestes ist ihr Lied;
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Ich sende darum es in Deinen Wald,
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Wo wir im gold'nen Sonnenscheine gingen,
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Hin in den Wiesengrund, wo Nebelseen
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Im Mondenlicht gespenstig uns umwogten,
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Den Berg hinan, wo jener hohe Baum
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Hinausragt über alle andern Bäume,
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Und in das Haus, wo im Großvaterstuhl
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Mein Liebling sitzt, die lichtumstrahlte Frau,
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Die blonde, sanfte, rührende Gestalt,
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In deren Nähe Freude wohnt und Friede ...
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Sie werden fragen, wer und wo Du bist,
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Wie ein Gebilde meiner Phantasie Dich nehmen,
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Da ich nur halb den lieben Namen nenne
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Und nicht den Ort, wo ich Dich, Holde, fand.
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Doch neidisch bin ich auf mein stilles Glück,
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Gleich einen Schatz will ich Dein Herz mir hüten,
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Und wenn ich wieder müde mich geschritten
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In Herzensöden, Geisteswüsteneien ...
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Wenn wieder Staub auf meinen Schwingen liegt,
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Dann komm' ich wieder in Dein stilles Thal
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Und Deine Seele wird mich doppelt lieben,
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Weil dieses Buch Dich lehrt,