Die Allee entlang

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Leopold Jacoby: Die Allee entlang Titel entspricht 1. Vers(1867)

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Die Allee entlang
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Scholl herauf heller Trompetenklang
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Und Trommeln und Pfeifen und Pauken und Zinken,
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Und schon sah man Schilder und Speere blinken.

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Aber siehe!
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Da kamen von der Seite heran
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Mann für Mann,
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Des Handwerks zugleich und der Waffen Kenner,
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Mit festem Schritt wie Eisenmänner,
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Eine Schaar Gestalten frisch und kühn,
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Das war die Schutzwehr der Freistadt Berlin.
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Eine rothe Fahne rollt ihr Führer aus,
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Drei goldene Sterne blitzen heraus.
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Zur Linken, wo die Werkmänner saßen,
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Stellten sie sich auf längs der Straßen.
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Dort aber, wo der Führer stand mit der Fahne,
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War eine Erhöhung gebaut gleich einem Altane.

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Und jetzt kam heran der Zug. –
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Da gab es zu schau'n und zu gaffen genug.
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Bald wimmelt es hier von Rittern und Knappen
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Mit allerlei bunten, gestickten Wappen.
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Auch die Prälaten – die ritten auf Rappen –
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In gar prächtigem Priestergewand
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Stellten sich vor der Tribüne Rand,
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Dort, wo sich der Rath und der Bischof befand.

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Aber auf stolzem Roß alsbald
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Erschien eine ragende Rittergestalt
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Mit düsterm Antlitz und strengen Mienen,
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Ganz gepanzert in Eisenschienen.
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Doch ihm zur Seite ritt eine Frauen,
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Wunderlieblich anzuschauen,
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In aller Reize und Zier Vereinung
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So schön wie eine Märchenerscheinung.
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Und wie die Menge sie sah,
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Da
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Jauchzten Alle auf ringsum,
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Und wußten eigentlich nicht warum. –

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Wie sie nun allesammt hielten in dem Rondell,
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Da trat in schlichtem Kleid ein Gesell
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Aus der Menge vor
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Und stieg auf den Altan empor.

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Und mit einmal war
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Alles still rings so wunderbar,
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Als ob auch alle Bäume sich neigen
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Und lauschen wollten mit ihren Zweigen.

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Ein Sonnenstrahl aus wolkiger Höh'
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Blitzte hernieder auf den Schnee.
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Da ward von goldigem Glanz umhaucht
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Sein bleiches Gesicht in Licht getaucht.
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Wie die Sonne nun das Gewölk durchbrach.
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Und er sprach,
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Seine Stimme die Menschen ganz durchdrang,
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Und Alles athmete auf tief bang
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Bei dem noch nie gehörten Klang:

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Ein freier Bote steh' ich hier und Herold einer freien Stadt,
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Und eine Botschaft künd' ich dir, die mir ein Gott gegeben hat.

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Zum erstenmal geschieht es heut, auf dieser Erd' zum ersten Mal,
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Daß sich der Mensch auf Erden wird bewußt der ganzen Menschheit Qual,

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Des Unrechts, das die Gier ihm thut und Herrschsucht übt und der Betrug,
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Der ihm die Augen stumpf gemacht, der seinen Geist in Ketten schlug.

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Und die Bewegung, die du schaust, wird unaufhaltsam weitergehn,
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Vor keines Wahnes Machtgebäu, vor keinem Throne bleibt sie stehn.

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Bis aus dem Gramgesicht der Welt das Elend nicht mehr grausig schaut,
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Und bis auf Erden allerwärts ein neuer Menschenfrühling thaut.

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Das ist die Leuchte, die uns führt, sie strahlt in wunderbarem Glanz,
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Und wandelt vor uns her im Streit, bis wir den Sieg errungen ganz. –

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Doch du, der Frauen hohe Zier, so anmuthreich, so schön und mild,
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Im bittern Kampfe, der uns droht, ein liebliches Versöhnungsbild,

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O glaube nicht, der niedre Mensch, er sei des Sinns der Schönheit baar;
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Was auch der Bosheit Zunge spricht, o glaub' es nicht, es ist nicht wahr!

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Ein tiefes, banges Sehnen zieht, ein Streben auch, ihm unbewußt,
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Nach dem, was göttlich ist und schön, durch des geringsten Menschen Brust.

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Wann abgewaschen von der Zeit das Unrecht sein wird und die Gier,
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Dann blühen Blumen weit und breit in nie geseh'ner Pracht und Zier.

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Dann sprudelt hell der Schönheit Born aus tausend Quellen wundersam,
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Und Sangesweisen werden laut, wie sie bis heut kein Ohr vernahm.

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Die pflanzen fort und ewig fort der Menschheit höchsten Jubelschrei,
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Bis alle Erdenmenschen ihn mitrufen können:

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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